Wie du sicher hilfst: Ruhe bewahren Notfall-Tipps
Die wichtigste Regel am Unfallort lautet: Ruhe bewahren. Notfall-Situationen meisterst du mit dem Ampel-Schema und der 3-Sekunden-Regel sicher.
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Die richtige Kopfverletzung Erste Hilfe rettet im Strassenverkehr oft Leben. Ob nach einem Sturz mit dem Velo, einem Motorradunfall in St.Gallen oder einem Auffahrunfall mit dem Auto – Verletzungen am Kopf sind immer ein kritischer medizinischer Notfall. In meinen Nothelferkursen sehe ich oft, dass die Angst der Teilnehmenden, etwas falsch zu machen, riesig ist. Das ist verständlich, denn der Kopf ist unser empfindlichstes Körperteil. Doch genau deshalb ist Nichtstun die schlechteste Option. Mit klaren, einfachen Handgriffen kannst du die Situation sicher und ruhig meistern, bis die professionellen Rettungskräfte eintreffen und übernehmen.
Das menschliche Gehirn reagiert extrem empfindlich auf Sauerstoffmangel und Druckveränderungen. Wenn du bei einer Kopfverletzung Erste Hilfe leistest, sicherst du primär die Atemwege und verhinderst Folgeschäden durch massiven Blutverlust. Der Schädel ist im Grunde eine geschlossene, knöcherne Box. Wenn es im Inneren blutet oder das Gehirngewebe nach einem harten Aufprall anschwillt, hat das Gewebe keinen Platz, um sich auszudehnen. Der Druck im Schädelinneren steigt rasant an, was lebenswichtige Hirnareale abklemmen kann. Genau aus diesem Grund zählt bei Kopfverletzungen jede Minute. Je schneller der Rettungsdienst alarmiert wird und je besser die Erstversorgung durch Laien funktioniert, desto höher sind die Überlebenschancen und desto geringer das Risiko für bleibende neurologische Schäden. Das ist auch der Grund, warum wir dieses Thema im obligatorischen Nothelferkurs so intensiv behandeln. Lies dazu auch unseren Ratgeber zum Thema Nothelfer Lernfahrausweis: Dein erster Schritt in St.Gallen, um zu verstehen, wie die Ausbildung aufgebaut ist.
Sicherheit geht immer vor. Zuerst sicherst du die Unfallstelle ab, dann sprichst du die verletzte Person laut an, prüfst die Atmung und wählst sofort den Notruf 144. Das Ampel-Schema (Schauen, Denken, Handeln) ist dein bester Freund in dieser Stresssituation.
Bevor du dich um die verletzte Person kümmerst, musst du sicherstellen, dass du nicht selbst zum Opfer wirst. Schalte die Warnblinkanlage ein, zieh deine Leuchtweste an und stelle das Pannendreieck in ausreichendem Abstand auf (ausserorts mind. 50 Meter, auf der Autobahn mind. 100 Meter). Ein toter Retter nützt niemandem etwas. Mehr dazu erfährst du im Artikel Eigenschutz Ersthelfer: Darum geht deine Sicherheit vor.
Sprich die Person laut an: «Hallo, hören Sie mich? Was ist passiert?» Reagiert sie nicht, greifst du sanft an die Schultern und schüttelst leicht. Bleibt die Reaktion aus, ist die Person bewusstlos. Nun musst du sofort die Atmung kontrollieren. Überstrecke den Kopf der Person leicht nach hinten (Vorsicht, wenn ein Halswirbelsäulen-Trauma vermutet wird, nur minimal überstrecken, um die Atemwege freizumachen). Halte dein Ohr über Mund und Nase der Person. Höre, fühle und schaue auf den Brustkorb für maximal 10 Sekunden. Atmet die Person normal, bringst du sie in die stabile Seitenlage. Atmet sie nicht oder nicht normal (z. B. Schnappatmung), musst du unverzüglich mit der Herzdruckmassage beginnen. Details zu diesen Basismassnahmen findest du unter Erste Hilfe Handgriffe: Die 4 wichtigsten in 60 Sekunden.
Sobald du die Situation eingeschätzt hast, alarmierst du die Sanität über die Nummer 144 (oder die europäische Notrufnummer 112). Beantworte die Fragen der Leitstelle ruhig: Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Verletzte gibt es? Welche Verletzungen liegen vor? Wichtig: Lege niemals als Erster auf. Die Fachleute am Telefon bleiben bei dir und leiten dich bei der Reanimation oder der Wundversorgung an, bis die Ambulanz eintrifft.
Eine der häufigsten Fragen in meinem Motorrad-Grundkurs lautet: Darf ich den Helm nach einem Unfall abnehmen? Die Antwort ist klar: Ist die Person bewusstlos, MUSS der Helm zwingend runter. Nur so kannst du die Atmung kontrollieren und bei Erbrechen verhindern, dass die Person an ihrem eigenen Erbrochenen erstickt. Ist die Person bei Bewusstsein, darf sie selbst entscheiden, ob der Helm abgenommen wird oder nicht. Wenn sie über starke Nackenschmerzen klagt, sollte der Helm idealerweise bis zum Eintreffen der Rettungskräfte auf dem Kopf bleiben, sofern die Atmung nicht beeinträchtigt ist.
Die sicherste Methode ist die Helmabnahme zu zweit. Helfer 1 kniet oberhalb des Kopfes und fixiert den Helm und den Nacken. Helfer 2 kniet seitlich, öffnet das Visier, nimmt eventuell die Brille ab und öffnet den Kinnriemen. Dann greift Helfer 2 von unten an den Unterkiefer und den Hinterkopf, um die Halswirbelsäule zu stabilisieren. Helfer 1 zieht den Helm nun vorsichtig und gerade nach hinten ab. Anschliessend übernimmt Helfer 1 wieder die Stabilisierung des Kopfes, indem er ihn sanft mit beiden Händen hält. Es ist essenziell, dass der Kopf während des gesamten Vorgangs nicht abknickt oder verdreht wird.
Kopfhautverletzungen bluten extrem stark, auch wenn sie medizinisch gesehen oft harmlos sind. Lege eine sterile Kompresse auf die Wunde und fixiere sie, übe aber keinen massiven Druck aus, falls der Schädelknochen gebrochen sein könnte. Die Kopfhaut ist extrem gut durchblutet. Das führt dazu, dass selbst kleine Platzwunden aussehen, als wäre jemand lebensgefährlich verletzt. Lass dich von dem vielen Blut nicht in Panik versetzen. Zieh dir Einweghandschuhe an (diese findest du in jedem Auto-Verbandskasten) und nimm eine sterile Wundauflage. Drücke diese sanft auf die blutende Stelle. Wenn du den Verdacht hast, dass der Schädelknochen eingedrückt oder gebrochen ist (Schädelbasisfraktur oder offenes Schädel-Hirn-Trauma), darfst du keinen starken Druck ausüben! Fixiere die Wundauflage in diesem Fall nur locker mit einer Binde. Tritt Blut oder klare Flüssigkeit aus dem Ohr oder der Nase aus, darfst du diese Öffnungen niemals verstopfen. Decke sie nur locker mit einer sterilen Kompresse ab, damit die Flüssigkeit abfliessen kann. Überprüfe regelmässig das Material in deinem Fahrzeug, wie im Beitrag Verbandskasten Auto prüfen: Pflicht, Inhalt und Haltbarkeit beschrieben.
Eine leichte Gehirnerschütterung zeigt sich durch Schwindel und Übelkeit, während ein schweres Schädel-Hirn-Trauma oft mit Bewusstlosigkeit, ungleichen Pupillen und neurologischen Ausfällen einhergeht. Es ist für Laien nicht immer einfach, die Schwere einer Kopfverletzung einzuschätzen. Die folgende Tabelle hilft dir, die Symptome besser zuzuordnen.
| Symptom / Merkmal | Leichte Kopfverletzung (Gehirnerschütterung) | Schweres Schädel-Hirn-Trauma |
|---|---|---|
| Bewusstsein | Kurzzeitige Benommenheit, oft keine Bewusstlosigkeit. | Längere Bewusstlosigkeit oder zunehmende Schläfrigkeit. |
| Erinnerung (Amnesie) | Erinnerungslücke meist nur für den Moment des Unfalls. | Grosse Erinnerungslücken, weiss nicht, wer oder wo er/sie ist. |
| Pupillen | Normal, reagieren gleichmässig auf Licht. | Oft ungleich gross (eine Pupille stark erweitert). |
| Übelkeit / Erbrechen | Leichte Übelkeit, selten einmaliges Erbrechen. | Wiederholtes, schwallartiges Erbrechen. |
| Atmung / Puls | Normal bis leicht beschleunigt (durch Aufregung). | Unregelmässige Atmung, sehr langsamer oder extrem schneller Puls. |
Egal wie leicht die Verletzung erscheint: Nach jedem harten Schlag auf den Kopf sollte die betroffene Person ärztlich untersucht werden. Manchmal treten lebensgefährliche Hirnblutungen erst Stunden nach dem Unfall auf. Bei schweren Verletzungen droht zudem oft ein Schockzustand. Wie du diesen erkennst, liest du in unserem Artikel Schock stabilisieren: Anleitung, Lagerung & Erste-Hilfe-Tipps.
Die organisierte Erste Hilfe in der Schweiz begann Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Gründung der ersten Samaritervereine. Heute ist der Nothelferkurs eine feste, gesetzliche Voraussetzung, bevor du den Lernfahrausweis beantragen kannst. Wenn wir heute über Erste Hilfe sprechen, vergessen wir oft, dass das Wissen um lebensrettende Sofortmassnahmen früher nur Ärzten vorbehalten war. Erst 1888 wurde in der Schweiz der erste Samariterverein gegründet, inspiriert durch das Rote Kreuz und die Erkenntnis, dass schnelle Hilfe durch Laien die Sterblichkeitsrate bei Unfällen drastisch senkt. Der Schweizerische Samariterbund hat massgeblich dazu beigetragen, Erste-Hilfe-Kurse für die breite Bevölkerung zugänglich zu machen. In den 1970er-Jahren, als die Zahl der Verkehrstoten in der Schweiz ihren traurigen Höhepunkt erreichte, wurde der Nothelferkurs schliesslich für alle angehenden Neulenker obligatorisch. Diese Massnahme, kombiniert mit der Gurtentragpflicht und besseren Fahrzeugsicherheitsstandards, hat die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle massiv reduziert. Offizielle Statistiken und Regeln zur Verkehrssicherheit findest du auch beim Bundesamt für Strassen (ASTRA). Heute ist die Ausbildung moderner, interaktiver und fokussiert sich stark auf das praktische Üben von Handgriffen, damit im Ernstfall jeder weiss, was zu tun ist.
Nein, auf keinen Fall. Bei Kopfverletzungen besteht immer die Gefahr, dass die Person plötzlich das Bewusstsein verliert oder erbrechen muss. Wenn sie vorher getrunken hat, kann Flüssigkeit in die Lunge gelangen und zum Ersticken führen. Zudem muss die Person im Spital möglicherweise sofort operiert werden, wofür sie nüchtern sein sollte.
Ist die Person bei Bewusstsein, solltest du sie mit leicht erhöhtem Oberkörper lagern. Das verringert den Blutdruck im Kopfbereich und hilft, die Blutung zu reduzieren. Sprich beruhigend auf sie ein und decke sie mit der Rettungsdecke aus dem Verbandskasten zu, um eine Auskühlung zu verhindern.
Eine Blutung aus dem Ohr (oft gemischt mit klarer Flüssigkeit) ist ein starkes Warnsignal für eine Schädelbasisfraktur. Verstopfe das Ohr niemals! Lege eine sterile Kompresse locker über die Ohrmuschel und lagere die Person so, dass das verletzte Ohr nach unten zeigt, damit das Blut und das Hirnwasser abfliessen können. Wähle sofort den Notruf 144.
Die theoretischen Grundlagen kannst du online lesen, aber die Handgriffe musst du üben. Der obligatorische Nothelferkurs, den du für den Lernfahrausweis brauchst, ist der perfekte Ort dafür. Dort übst du die stabile Seitenlage, die Helmabnahme und die Reanimation an Phantomen unter professioneller Anleitung.
In der Schweiz und speziell im Kanton St.Gallen sind die Rettungsdienste hervorragend organisiert. In der Regel ist die Ambulanz nach dem Absetzen des Notrufs 144 innerhalb von 10 bis 15 Minuten am Unfallort. In dieser Überbrückungszeit bist du als Ersthelfer das wichtigste Glied in der Rettungskette.