Probezeit Motorrad: Regeln, WAB-Kurs und Strafen erklärt
Die Probezeit Motorrad dauert in der Schweiz drei Jahre. Erfahre alles zum WAB-Kurs, der Nullpromille-Grenze und was bei …
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Das Motorrad am Berg sicher zu beherrschen, ist für viele Fahrschüler anfangs eine grosse Hürde. In St.Gallen und dem nahen Appenzellerland haben wir steile Strassen und anspruchsvolle Passagen direkt vor der Tür. Wenn du die richtige Kombination aus Kupplung, Gas und Bremse einmal im Gefühl hast, wird aus der anfänglichen Unsicherheit schnell purer Fahrspass. Ich zeige dir, worauf es wirklich ankommt.
Beim Fahren an Steigungen verschiebt sich der Schwerpunkt deines Motorrads nach hinten, beim Bergabfahren massiv nach vorne. Das verändert das Lenkverhalten und den Bremsweg erheblich. Wenn du diese physikalischen Grundregeln verstehst und deine Sitzposition entsprechend anpasst, behältst du in jeder Situation die volle Kontrolle über deine Maschine.
Gerade in den ersten Fahrstunden sehe ich oft, dass die Schwerkraft grossen Respekt einflösst. Das Gefühl, nach hinten wegzukippen oder bergab zu viel Tempo aufzubauen, lässt viele am Lenker verkrampfen. Eine lockere Haltung ist aber genau das, was du jetzt brauchst. Achte darauf, dass deine Arme leicht angewinkelt bleiben. Den Halt holst du dir über den Knieschluss am Tank, nicht über die Hände am Lenker. Wenn du mehr darüber wissen willst, schau dir meinen Leitfaden für die richtige Sitzposition auf dem Motorrad an. Dort erkläre ich im Detail, wie du deinen Körper optimal einsetzt.
Beim Anfahren an einer Steigung sicherst du das Motorrad zwingend mit der Hinterradbremse. So hast du die rechte Hand komplett frei, um das Gas fein zu dosieren, während du mit der linken Hand die Kupplung langsam und kontrolliert bis zum Schleifpunkt kommen lässt.
Viele versuchen, das Motorrad mit der Vorderradbremse zu halten. Das Problem dabei: Du musst mit derselben Hand bremsen und Gas geben. Das erfordert enorm viel Feingefühl und führt bei Anfängern fast immer dazu, dass der Motor abwürgt oder das Motorrad unkontrolliert nach hinten rollt. Mach es dir einfacher. Der rechte Fuss steht fest auf der Bremse, der linke Fuss stützt das Motorrad auf dem Boden ab. Jetzt gibst du leicht Gas – etwas mehr als auf ebener Strecke, da du gegen den Berg anarbeiten musst. Lass die Kupplung langsam kommen. Sobald du merkst, dass die Drehzahl leicht sinkt und sich das Heck des Motorrads minimal anhebt, hast du den perfekten Schleifpunkt gefunden. Genau in diesem Moment löst du die Fussbremse. Das Motorrad wird sanft und ohne einen Zentimeter zurückzurollen anfahren.
Bergab wählst du denselben Gang, den du auch bergauf für diese Strecke nutzen würdest. Die Motorbremse übernimmt so einen Grossteil der Verzögerung, was deine Bremsbeläge schont und eine lebensgefährliche Überhitzung der Bremsflüssigkeit verhindert.
Wenn du kilometerlang bergab fährst und ständig auf der Bremse stehst, kann es zum sogenannten Fading kommen. Die Bremsflüssigkeit wird so heiss, dass sie Blasen wirft. Das Resultat: Du ziehst den Bremshebel bis zum Lenker durch, aber es passiert nichts. Um das zu vermeiden, schaltest du vor dem Gefälle einen oder zwei Gänge runter. Lass den Motor ruhig etwas höher drehen, das schadet ihm nicht. Du wirst merken, dass das Motorrad von ganz alleine bremst. Wenn du zusätzlich bremsen musst, tu dies kurz und knackig vor der Kurve, statt die Bremse dauerhaft schleifen zu lassen. Moderne Maschinen nehmen dir hier viel Arbeit ab. Wenn du wissen willst, wie dich die Technik dabei unterstützt, lies meinen Artikel über ABS beim Motorrad und wie der digitale Schutzengel funktioniert.
In steilen Kehren ist die Blickführung dein wichtigstes Werkzeug. Du lenkst das Motorrad dorthin, wo du hinschaust. Drehe den Kopf aktiv in die Kurve hinein und visiere frühzeitig den Kurvenausgang an, um eine saubere und sichere Linie zu fahren.
Spitzkehren bergauf sind meist einfacher zu fahren als bergab, da die Schwerkraft dir beim Bremsen hilft. Bergauf musst du allerdings darauf achten, den Schwung mitzunehmen und im richtigen Gang zu sein. Bist du zu hochohrig unterwegs, verhungert dir das Motorrad mitten in der Kehre. Schalte rechtzeitig vor der Kurve in den ersten oder zweiten Gang. Bergab ist die Herausforderung, nicht zu schnell in die Kehre zu stechen. Bremse das Motorrad vor der Kurve ab, löse die Bremse sanft beim Einlenken und halte die Geschwindigkeit mit leichtem Zug am Gasgriff. Das stabilisiert das Fahrwerk. Mehr Details zur perfekten Linie findest du in meinem Beitrag zur Kurvenlinie beim Motorrad.
Noch vor wenigen Jahrzehnten war das Fahren auf steilen Alpenpässen eine technische Zitterpartie. Trommelbremsen überhitzten extrem schnell, und Vergaser-Motoren verloren in der dünnen Höhenluft drastisch an Leistung. Heute unterstützen uns moderne Einspritzanlagen und Assistenzsysteme enorm.
Wenn wir auf die Entwicklung zurückschauen, ist es faszinierend, wie sicher das Motorradfahren geworden ist. Früher mussten Motorradfahrer an Passstrassen regelmässig Pausen einlegen, um die Bremsen abkühlen zu lassen. Die Einführung von Scheibenbremsen in den 1970er Jahren war ein Meilenstein. Heute regeln elektronische Einspritzungen das Gemisch so perfekt, dass du auf 2’500 Metern Höhe genauso viel Laufruhe hast wie unten am Bodensee. Auch das Kurven-ABS hat die Sicherheit beim Bergabfahren revolutioniert, da es ein Blockieren des Vorderrads selbst in Schräglage verhindert. Solche technischen Details schauen wir uns auch im praktischen Unterricht an. Wie wir das genau üben, kannst du im Artikel zum Grundkurs Teil 3 nachlesen.
Die Physik lässt sich nicht überlisten. Je steiler das Gefälle, desto länger wird dein Bremsweg. Eine Tabelle verdeutlicht, wie dramatisch sich bereits eine mittlere Steigung auf deine Verzögerung auswirkt und warum angepasste Geschwindigkeit essenziell ist.
| Situation (bei 50 km/h) | Reaktionsweg | Reiner Bremsweg | Anhalteweg gesamt |
|---|---|---|---|
| Ebene Strecke (0 %) | ca. 14 Meter | ca. 12,5 Meter | ca. 26,5 Meter |
| Gefälle leicht (5 %) | ca. 14 Meter | ca. 14,5 Meter | ca. 28,5 Meter |
| Gefälle stark (12 %) | ca. 14 Meter | ca. 18,0 Meter | ca. 32,0 Meter |
| Steigung (10 %) | ca. 14 Meter | ca. 10,0 Meter | ca. 24,0 Meter |
(Hinweis: Die Werte sind Richtwerte für trockene Strasse und optimale Bremsung, Stand September 2026. Berechnungen basieren auf physikalischen Standardformeln.)
Wie du siehst, wächst der Bremsweg bergab deutlich an. Das Vorderrad muss beim Bremsen bergab fast das gesamte Gewicht von dir und der Maschine aufnehmen. Das Heck wird extrem leicht und die Hinterradbremse verliert an Wirkung. Deshalb ist es so wichtig, vorausschauend zu fahren und die Geschwindigkeit vor unübersichtlichen Stellen frühzeitig zu reduzieren. Offizielle Richtlinien und Empfehlungen zum Verhalten auf Gebirgsstrassen findest du auch beim Bundesamt für Strassen (ASTRA) oder in den Sicherheitsbroschüren des TCS.
Wenn du das Motorrad am Berg parkierst, musst du es gegen Wegrollen sichern. Stelle das Motorrad immer mit der Front bergauf ab, lege den ersten Gang ein und lass das Motorrad sanft in den Gang rollen, bis der Motor blockiert.
Nutze nach Möglichkeit den Seitenständer, nicht den Hauptständer. Ein Motorrad auf dem Hauptständer kann an einer Steigung leicht nach vorne vom Ständer rollen und umkippen. Wenn du quer zum Hang parkierst, achte darauf, dass der Seitenständer immer zur Talseite zeigt, damit das Motorrad sicher steht. Ein Motorrad am Berg zu wenden, erfordert ebenfalls Taktik. Wende immer so, dass du das Motorrad rückwärts bergauf schiebst und vorwärts bergab fährst. Rückwärts bergab zu rollen, während du auf dem Motorrad sitzt, ist extrem gefährlich, da du die Vorderradbremse nicht sicher dosieren kannst und schnell das Gleichgewicht verlierst.
Als Faustregel gilt: Fahre bergab im selben Gang, den du benötigen würdest, um dieselbe Strecke bergauf zu fahren. Das ist meist der zweite oder dritte Gang. So nutzt du die Motorbremse optimal aus und schonst deine Bremsbeläge.
Halte das Motorrad immer mit der rechten Fussbremse (Hinterradbremse). Der linke Fuss steht sicher auf dem Boden. So hast du die rechte Hand frei, um das Gas beim Anfahren fein zu dosieren, ohne umgreifen zu müssen.
Bleib ruhig. Zieh sofort die Handbremse, damit du nicht rückwärts rollst. Tritt dann fest auf die Fussbremse, um die rechte Hand wieder frei zu bekommen. Schalte in den Neutralgang oder zieh die Kupplung, starte den Motor neu und beginne den Anfahrvorgang von vorn.
Nein, das ist lebensgefährlich. Wenn du die Kupplung ziehst oder in den Neutralgang schaltest, fehlt dir die Motorbremse. Das Motorrad wird unkontrolliert schnell, und du überhitzt bei der anschliessenden Bremsung deine Bremsanlage komplett.
Wer bergauf fährt, hat grundsätzlich Vortritt, da das Anfahren am Berg schwieriger ist. Wenn du bergab fährst und ein schweres Fahrzeug (wie ein Postauto) entgegenkommt, halte rechtzeitig an einer übersichtlichen Stelle an und lass das Fahrzeug passieren.