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Grundkurs Teil 3: Ablauf, Kurven & Tipps für die Prüfung

Grundkurs Teil 3: Ablauf, Kurven & Tipps für die Prüfung

Den Grundkurs Teil 3 absolvierst du als letzten Pflichtteil deiner Motorradausbildung in der Schweiz. Er dauert vier Stunden und verlagert den Fokus vom reinen Manövrieren hin zum flüssigen, sicheren Fahren im realen Verkehr. Wer diesen Kurs abschliesst, hat das Rüstzeug für Überlandstrecken, anspruchsvolle Kurven und das Fahren in der Gruppe. Danach beginnt die gezielte Vorbereitung auf die praktische Führerprüfung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Kurs dauert 4 Stunden und schliesst die obligatorische praktische Grundschulung (PGS) ab.
  • Schwerpunkte sind Kurventechnik, Überholen, Fahren in der Gruppe und defensive Verkehrsteilnahme.
  • Nach Abschluss erhältst du den Kursstempel im Lernfahrausweis und kannst dich für die praktische Prüfung anmelden.

Was erwartet dich im Grundkurs Teil 3?

Dieser letzte Kursteil findet fast ausschliesslich im fliessenden Verkehr statt, oft auf Landstrassen und kurvigen Strecken rund um St.Gallen. Wir feilen an deiner Dynamik, deiner Linienwahl und deinem Verhalten gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Der Kurs baut direkt auf den Fähigkeiten auf, die du in den ersten beiden Teilen gelernt hast.

In meinen Kursen sehe ich oft, dass die Teilnehmer am Anfang dieses dritten Teils noch grossen Respekt vor höheren Geschwindigkeiten und engen Kurvenradien haben. Genau das bauen wir in diesen vier Stunden systematisch ab. Wir starten mit einer kurzen theoretischen Einführung zum Fahren in der Gruppe und zur Kurvendynamik. Danach geht es direkt auf die Strasse. Wir fahren meist in kleinen Gruppen, wobei ich als Fahrlehrer die Position wechsle, um jeden von euch genau zu beobachten.

Ein zentraler Punkt ist das vorausschauende Fahren. Auf dem Übungsplatz gibt es keinen Gegenverkehr und keine unübersichtlichen Kreuzungen. Auf der Landstrasse im Appenzellerland oder im Toggenburg sieht das ganz anders aus. Hier musst du Strassenbeläge lesen, Traktoren einkalkulieren und deine Geschwindigkeit vor der Kurve richtig anpassen. Falls du dir unsicher bist, wie du dich auf solche Situationen vorbereitest, empfehle ich dir meinen Ratgeber zum Thema Motorradprüfung vorbereiten: Dein Guide für St.Gallen.

Kurventechnik und die richtige Blickführung

Die sichere Kurvenfahrt ist das absolute Herzstück dieses Kursteils. Du lernst, wie du eine Kurve richtig ansteuerst, den Scheitelpunkt triffst und am Kurvenausgang sicher wieder herausbeschleunigst. Die goldene Regel dabei: Dein Motorrad fährt immer dorthin, wo du hinschaust.

Viele Fahrschüler machen anfangs den Fehler, direkt vor das Vorderrad oder starr auf die Mittellinie zu schauen. Das führt zu einer eckigen, unsicheren Fahrweise. Im Kurs trainieren wir die aktive Blicktechnik. Du musst den Kurvenausgang suchen, noch bevor du dich in die Schräglage begibst. Sobald dein Kopf die Drehung macht, folgt der Körper und schliesslich das Motorrad fast wie von selbst.

Ein weiteres wichtiges Konzept, das wir intensiv üben, ist der sogenannte Lenkimpuls (Gegenlenken). Um eine Rechtskurve einzuleiten, drückst du sanft gegen den rechten Lenkergriff. Klingt paradox, ist aber reine Physik. Durch diesen Druck kippt das Motorrad kontrolliert in die Schräglage. Wir üben das auf übersichtlichen Streckenabschnitten, bis der Bewegungsablauf in Fleisch und Blut übergeht. Auch die Wahl der Fahrlinie ist entscheidend: Wir fahren Kurven von aussen an, um möglichst lange in die Kurve hineinsehen zu können, und ziehen erst spät nach innen. Das schützt dich vor entgegenkommenden Fahrzeugen, die oft die Kurve schneiden.

Tipp aus der Praxis: In engen Linkskurven neigen viele dazu, mit dem Oberkörper über die Mittellinie zu ragen. Das ist extrem gefährlich, wenn ein Lastwagen entgegenkommt. Bleib mit den Reifen in der rechten Fahrbahnhälfte und drücke das Motorrad unter dir in die Schräglage (Drücken statt Legen), damit dein Kopf immer auf deiner Strassenseite bleibt.

Fahren in der Gruppe: Regeln und Dynamik

Motorradfahren ist oft ein Gruppenerlebnis. Deshalb ist das Fahren in der Formation ein fester Bestandteil im Lehrplan. Es gibt klare Regeln, damit sich niemand gefährdet und die Gruppe als Einheit im Verkehr wahrgenommen wird.

Wir üben das versetzte Fahren. Das bedeutet: Der Erste fährt in der linken Hälfte der Fahrspur, der Zweite in der rechten, der Dritte wieder links. Das vergrössert den Sicherheitsabstand zum Vordermann, hält die Gruppe aber kompakt zusammen. In Kurven wird diese Formation allerdings aufgelöst, und jeder fährt seine eigene, ideale Ideallinie. Nach der Kurve formieren wir uns wieder neu.

Ein grosses Thema ist auch der Gruppenzwang. Wenn der Vordermann noch knapp bei Gelb über die Ampel fährt oder zügig überholt, darfst du dich niemals blind dranhängen. Jeder Fahrer ist für sich selbst verantwortlich. Wenn die Gruppe abreisst, wartet der Vordermann an der nächsten sicheren Stelle. Wir trainieren diese Kommunikation ohne Worte, den Einsatz von Handzeichen und das richtige Verhalten, wenn ein Gruppenmitglied zurückfällt. Mehr zur eigenen Präsenz auf der Strasse erfährst du in meinem Artikel Sichtbarkeit Motorrad: Gesehen werden und sicher fahren.

Sicheres Überholen auf der Landstrasse

Das Überholen mit dem Motorrad erfordert eine völlig andere Einschätzung als mit dem Auto. Du hast zwar meist mehr Beschleunigung, bist aber auch deutlich verwundbarer. In diesem Kursteil besprechen wir die Theorie und setzen sie, wenn es die Verkehrssituation zulässt, direkt in die Praxis um.

Der wichtigste Grundsatz: Überholt wird nur, wenn die Strecke zu 100 Prozent einsehbar ist und du ausreichend Geschwindigkeitsüberschuss hast. Wir üben den Ablauf: Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug aufbauen (nicht zu nah auffahren, das raubt dir die Sicht!), Blinker setzen, Kontrollblick über die Schulter (Toter Winkel), zügig ausscheren, beschleunigen und mit ausreichend Abstand wieder einbiegen. Detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen findest du auch in meinem Beitrag Überholen Motorrad: Sicher vorbei auf Schweizer Strassen.

Vergleich: Die drei Teile des Motorrad-Grundkurses

Um dir zu zeigen, wie systematisch deine Ausbildung aufgebaut ist, habe ich die Schwerpunkte der drei obligatorischen Kursteile hier zusammengefasst. Jeder Teil dauert vier Stunden und ist Voraussetzung für den nächsten.

Kursteil Fokus Typische Übungen
Teil 1 Fahrzeugbeherrschung bei geringem Tempo Slalom, Spurgasse, Notbremsung, Blickführung im Schritttempo.
Teil 2 Verkehrsregeln und Kreuzungen Vortritt, Einspuren, Anfahren am Berg, Bremsen aus höherem Tempo.
Teil 3 Dynamik und Überlandfahrt Kurventechnik, Schräglage, Gruppenfahren, Überholen.

Die genauen gesetzlichen Vorgaben zu den Inhalten dieser Kurse werden vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) definiert. Als Fahrschule halten wir uns strikt an diesen Lehrplan, reichern ihn aber mit unserer lokalen Erfahrung an.

Wie geht es nach dem Kurs weiter?

Nach den vollen vier Stunden hast du es geschafft: Deine obligatorische Grundschulung ist komplett. Ich trage dir den Kursabschluss direkt in deinen Lernfahrausweis ein. Ab diesem Moment (Stand September 2026) verlängert sich die Gültigkeit deines Lernfahrausweises um weitere 12 Monate. Du hast nun also ausreichend Zeit, um dich auf die Prüfung vorzubereiten.

Wichtig: Der Kurs allein macht dich noch nicht prüfungsreif. Er vermittelt dir die korrekten Techniken, aber die Routine musst du dir selbst erarbeiten. Ich empfehle meinen Schülern, nach dem Kurs regelmässig zu fahren und das Gelernte bewusst anzuwenden. Wenn du dich sicher fühlst, buchen wir ein bis zwei Einzel-Fahrstunden. In diesen Lektionen simulieren wir die Prüfungssituation im Prüfungsgebiet des Strassenverkehrsamts St.Gallen und feilen an den letzten Details. Wie deine allererste Fahrt ohne das «L» am Heck ablaufen sollte, kannst du in meinem Guide Erste Ausfahrt Motorrad nach der Prüfung: Dein Fahrlehrer-Guide nachlesen.

Häufige Fragen zum Grundkurs Teil 3

Ist der Grundkurs Teil 3 für alle Kategorien obligatorisch?

Ja, wenn du den Direkteinstieg in die Kategorie A (unbeschränkt) machst oder die Kategorie A1 (125er) erwirbst, musst du die vollen 12 Stunden, also auch den dritten Teil, absolvieren. Nur wer bereits den Ausweis A1 besitzt und auf A aufsteigt, ist von der Grundschulung befreit.

Was passiert bei schlechtem Wetter?

Der Kurs findet grundsätzlich bei jeder Witterung statt. Regen ist sogar ein hervorragendes Training, um die Haftungsgrenzen und das feinfühlige Bremsen bei Nässe zu üben. Zieh dir gute Regenbekleidung an. Nur bei Schnee, starkem Eis oder extremen Stürmen wird der Kurs aus Sicherheitsgründen verschoben.

Muss ich mein eigenes Motorrad mitbringen?

Ja, du absolvierst den Kurs mit dem Motorrad, das du auch in der Freizeit fährst und mit dem du später an die Prüfung gehst. Das Fahrzeug muss verkehrssicher sein, ausreichend Profil auf den Reifen haben und vollgetankt zum Kursort gebracht werden.

Wie lange ist der Kursstempel gültig?

Sobald der dritte Teil absolviert und in deinem Lernfahrausweis eingetragen ist, verlängert sich die Gültigkeit des Ausweises um 12 Monate. Innerhalb dieser Frist musst du die praktische Führerprüfung erfolgreich ablegen. Verpasst du die Frist, verfällt der Lernfahrausweis und du musst den gesamten Prozess neu starten.

Falle ich durch, wenn ich im Kurs einen Fehler mache?

Nein, der Grundkurs ist keine Prüfung, sondern eine Schulung. Es geht darum, Fehler zu machen, daraus zu lernen und die Technik zu verbessern. Solange du aktiv mitmachst, die Anweisungen befolgst und niemanden mutwillig gefährdest, bestehst du den Kurs problemlos. Ich bin da, um dir zu helfen, nicht um dich zu bewerten.

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rafuna

Dein Fahrlehrer für Auto & Motorrad in St.Gallen und Umgebung. Mobil ist das Ziel.

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