Kurvenlinie Motorrad: Die perfekte Linie für sicheres Fahren
Die sichere Kurvenlinie Motorrad entscheidet über deine Sicherheit. Lerne den späten Scheitelpunkt, die richtige Blicktechnik und vermeide Anfängerfehler.
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Wenn das Thermometer im Hochsommer über 30 Grad klettert, wird das Motorrad bei Hitze schnell zur rollenden Sauna. Viele spielen dann mit dem Gedanken, die schwere Jacke gegen ein T-Shirt zu tauschen. Als Fahrlehrer sage ich dir ganz klar: Das ist ein lebensgefährlicher Fehler. Ein Sturz bei 50 km/h auf heissem Asphalt ohne Schutzkleidung endet im besten Fall im Spital. Heute, am 20. September 2026, blicken wir auf einen extrem heissen Spätsommer in der Ostschweiz zurück. Ich zeige dir, wie du trotz Rekordtemperaturen sicher, konzentriert und gut geschützt auf zwei Rädern unterwegs bist.
Dein Körper leistet auf dem Motorrad Schwerstarbeit. Unter dem Helm und der Schutzkleidung staut sich die Wärme, und der Fahrtwind kühlt ab 37 Grad Aussentemperatur nicht mehr, sondern wirkt wie ein Föhn. Die Folge: Du schwitzt extrem. Verlierst du nur zwei Prozent deines Körpergewichts an Flüssigkeit, sinkt deine Reaktionsfähigkeit massiv. Mediziner vergleichen diesen Zustand mit einem Blutalkoholwert von 0,5 Promille. Dein Blickfeld verengt sich, du wirst fahrig beim Kuppeln und übersiehst im dichten Stadtverkehr von St.Gallen schnell mal einen Fussgänger. Wer sein Motorrad bei Hitze sicher beherrschen will, muss die Physiologie des eigenen Körpers verstehen und aktiv gegensteuern.
Das grösste Risiko ist der schleichende Hitzeschlag. Er kündigt sich oft durch leichte Kopfschmerzen, Übelkeit oder plötzliches Frösteln an – mitten im Hochsommer. Wenn du diese Symptome spürst, ist es höchste Zeit, rechts ranzufahren. Ignorierst du die Warnsignale, droht ein Kreislaufkollaps bei voller Fahrt. Deshalb gilt: Prävention beginnt lange vor dem Aufsteigen.
Noch in den 1990er Jahren gab es für Motorradfahrer genau zwei Optionen: Entweder man schwitzte in zentimeterdickem, schwarzem Rindsleder, oder man riskierte in Jeans und T-Shirt seine Haut. Die historische Entwicklung der Motorradbekleidung hat hier zum Glück einen riesigen Sprung gemacht. Moderne Textilanzüge nutzen Kevlar, Cordura und grossflächige Mesh-Einsätze. Diese Hightech-Fasern sind extrem abriebfest, lassen den Fahrtwind aber fast ungehindert durch.
Für den Hochsommer empfehle ich dir eine gut sitzende Mesh-Jacke mit Level-2-Protektoren an Schultern, Ellbogen und Rücken. Dazu eine luftige Motorradjeans mit Aramid-Verstärkung. Ein echter Gamechanger der letzten Jahre sind Kühlwesten. Diese Westen tauchst du vor der Fahrt in kaltes Wasser. Sie speichern die Feuchtigkeit und geben sie über Stunden langsam ab. Durch die Verdunstungskälte unter der durchlässigen Motorradjacke kühlt dein Oberkörper spürbar ab – ein Effekt, der dich auch bei 35 Grad im Rheintal frisch hält.
Vergiss auch deine Hände und Füsse nicht. Dicke Winterhandschuhe sind im Sommer ein Graus. Besorge dir leichte, perforierte Sommerhandschuhe aus Ziegenleder. Sie bieten dir das nötige Feingefühl für Bremse und Kupplung, schützen aber bei einem Rutsch über den Asphalt. Bei den Schuhen gibt es mittlerweile luftige Motorrad-Sneaker, die über den Knöchel reichen und verstärkt sind. Sie ersetzen keinen schweren Tourenstiefel, sind aber für die Feierabendrunde tausendmal besser als normale Turnschuhe.
| Ausrüstungsteil | Standard / Übergangszeit | Sommer-Alternative (Hitze) |
|---|---|---|
| Jacke | Leder oder Gore-Tex Textil (winddicht) | Mesh-Textiljacke (luftdurchlässig) |
| Hose | Lederhose oder schwere Textilhose | Aramid/Kevlar-verstärkte Motorradjeans |
| Handschuhe | Gefütterte Lederhandschuhe | Perforierte Sommerhandschuhe (ungefüttert) |
| Darunter | Baumwoll-Shirt (saugt sich voll) | Kühlweste oder Funktionsunterwäsche |
Nicht nur dein Körper, auch die Strasse verändert sich bei extremen Temperaturen. Asphalt kann im Hochsommer über 60 Grad heiss werden. Das führt dazu, dass Bitumenflickstellen weich und extrem rutschig werden. Fährst du in Schräglage über einen solchen glänzenden, schwarzen Streifen, kann dir das Vorderrad blitzschnell wegrutschen. Lies dir dazu unbedingt meine Tipps zum Thema Strassenbelag Motorrad durch, um diese Gefahrenstellen rechtzeitig zu erkennen.
Auch deine Routenplanung solltest du anpassen. Eine Fahrt durch die Innenstadt von St.Gallen zur Hauptverkehrszeit um 17 Uhr ist bei 33 Grad die absolute Hölle. Stop-and-Go-Verkehr bedeutet, dass die Motorabwärme ungehindert nach oben steigt und dich regelrecht grillt. Verlege deine Touren in die frühen Morgenstunden oder in den späten Abend. Wenn du tagsüber fährst, suche dir Strecken in höheren Lagen, wie etwa ins Appenzellerland oder Richtung Säntis. Pro 100 Höhenmeter sinkt die Temperatur um knapp ein Grad – das macht einen gewaltigen Unterschied.
Dein Motorrad leidet bei Hitze fast so sehr wie du. Moderne flüssigkeitsgekühlte Motoren stecken hohe Temperaturen zwar gut weg, aber im Stau springt unweigerlich der Kühlerlüfter an und bläst dir die heisse Luft direkt ans Bein. Achte bei älteren, luftgekühlten Maschinen darauf, dass du nicht zu lange im Leerlauf stehst. Wenn der Motor überhitzt, kann der Schmierfilm des Öls abreissen. Ein kapitaler Motorschaden ist dann vorprogrammiert. Wie du dich verhältst, wenn die Maschine streikt, erkläre ich dir im Beitrag Motorrad Panne: Der sichere Ablauf.
Ein oft unterschätzter Faktor ist der Reifendruck. Luft dehnt sich bei Hitze aus. Fährst du auf heissem Asphalt zügig Kurven, walkt der Reifen und erhitzt sich zusätzlich. Der Reifendruck kann dadurch um 0,3 bis 0,5 Bar ansteigen. Das verkleinert die Auflagefläche und verändert das Fahrverhalten. Prüfe den Reifendruck deshalb immer im kalten Zustand vor der Fahrt. Offizielle Stellen wie die BFU (Beratungsstelle für Unfallverhütung) weisen regelmässig darauf hin, dass ein falscher Reifendruck im Sommer zu den häufigsten Unfallursachen bei Alleinunfällen gehört.
Auf dem Motorrad verdunstet dein Schweiss durch den Fahrtwind sofort. Du merkst oft gar nicht, wie viel Flüssigkeit du verlierst. Die goldene Regel lautet: Trinke, bevor du Durst hast. Ein Liter Wasser pro Stunde ist bei über 30 Grad das absolute Minimum. Verzichte auf zuckerhaltige Limonaden oder Energy-Drinks, sie belasten den Kreislauf nur zusätzlich. Stilles Wasser oder eine leichte Apfelschorle sind optimal.
Plane deine Route so, dass du nicht nur Tankstopps für die Maschine, sondern auch Trinkstopps für dich einbaust. Wenn du deine Motorrad Reichweite berechnest, kalkuliere im Sommer alle 45 bis 60 Minuten eine Pause im Schatten ein. Nimm den Helm ab, zieh die Handschuhe aus und öffne die Jacke. Fünf Minuten im Schatten wirken Wunder für deine Konzentration. Der TCS (Touring Club Schweiz) empfiehlt zudem, an extrem heissen Tagen lieber kürzere Etappen von maximal 200 Kilometern zu planen, statt sich stundenlang der prallen Sonne auszusetzen.
Rein rechtlich gesehen verbietet das Schweizer Strassenverkehrsgesetz das Fahren in kurzen Hosen oder im T-Shirt nicht explizit. Es gibt keine gesetzliche Pflicht für Schutzkleidung (ausser dem Helm). Aber: Bei einem Unfall kann dir die Versicherung wegen Grobfahrlässigkeit die Leistungen kürzen. Als Fahrlehrer sage ich dir: Wer in Shorts fährt, hat die Physik eines Sturzes nicht verstanden.
Ein Integralhelm mit guten Belüftungsöffnungen an Kinn und Stirn ist die sicherste Wahl. Klapphelme sind in der Stadt praktisch, da du sie an der Ampel öffnen kannst. Jethelme sind zwar luftig, bieten aber keinen Schutz für Kinn und Gesicht. Achte darauf, dass das Innenfutter herausnehmbar und waschbar ist, da du im Sommer stark schwitzen wirst.
Erste Anzeichen sind nachlassende Konzentration, ein trockener Mund, leichte Übelkeit, Schwindel und paradoxerweise oft ein Frösteln. Auch wenn du plötzlich aufhörst zu schwitzen, obwohl es extrem heiss ist, läuten alle Alarmglocken. Halte sofort an einem sicheren Ort im Schatten an, trinke Wasser und kühle deinen Nacken.
Ja, massiv. Vor allem die schwarzen Bitumenstreifen, mit denen Risse im Asphalt geflickt werden, schmelzen bei direkter Sonneneinstrahlung. Sie werden schmierig wie Seife. Wenn du in Schräglage darüberfährst, verliert der Reifen abrupt den Grip. Versuche, diese Streifen möglichst aufrecht zu überfahren oder ihnen ganz auszuweichen.
Wenn möglich, suche immer einen Schattenplatz. Das schwarze Sitzpolster heizt sich in der prallen Sonne extrem auf – Brandblasen sind keine Seltenheit. Wenn du keinen Schatten findest, lege deine Handschuhe oder ein helles Tuch über die Sitzbank. Achte auch darauf, dass der Seitenständer auf weichem, heissem Asphalt nicht einsinkt. Ein kleiner Unterleg-Puck aus Plastik verhindert, dass die Maschine umkippt.