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Grundkurs Teil 2: Technik auf dem Platz (Fahrlehrer-Guide)

Grundkurs Teil 2: Technik auf dem Platz (Fahrlehrer-Guide)

Den Grundkurs Teil 2 absolvierst du auf dem abgesperrten Übungsplatz, und hier geht es ans Eingemachte: Bremsen, Schauen und die Maschine bei Schritttempo beherrschen. Nachdem wir im ersten Teil die absoluten Basics wie das Anfahren und Schalten angeschaut haben, trainieren wir jetzt die Manöver, die du später an der praktischen Prüfung beim Strassenverkehrsamt fehlerfrei zeigen musst. Dieser Kursteil dauert vier Stunden und fordert dich körperlich sowie mental. Aber keine Sorge: Wenn du die Technik einmal verstanden hast, macht das Zirkeln um die Pylonen richtig Spass.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Fokus liegt auf Fahrzeugbeherrschung bei tiefer Geschwindigkeit, Blicktechnik und der Notbremsung.
  • Typische Prüfungsmanöver wie Spurgasse, Slalom und Achterfahren werden hier von Grund auf trainiert.
  • Ein eigenes Motorrad ist Pflicht, und du solltest zwischen Teil 1 und Teil 2 idealerweise schon etwas privat geübt haben.

Was erwartet dich im Grundkurs Teil 2?

In diesem vierstündigen Block bleiben wir fernab vom fliessenden Verkehr auf dem Übungsplatz. Dein Ziel ist es, das Motorrad in Extremsituationen und bei sehr langsamer Fahrt sicher zu kontrollieren. Wir arbeiten intensiv an der Blicktechnik, dem Zusammenspiel von Kupplung und Hinterradbremse sowie der dynamischen Radlastverlagerung beim Bremsen. Jede Übung baut auf der vorherigen auf, bis du am Ende des Tages Manöver fährst, die dir morgens noch unmöglich erschienen.

Viele, die bei mir in St.Gallen den Kurs besuchen, haben Respekt vor diesem Tag. Das Motorrad ist schwer, der Platz wirkt eng, und die Pylonen stehen gefühlt viel zu nah beieinander. Doch genau dafür bin ich da. Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie du die Physik für dich arbeiten lässt, statt gegen das Gewicht der Maschine anzukämpfen. Stand September 2026 sind die Anforderungen an die Manöverprüfung streng – aber mit der richtigen Technik absolut machbar.

Die Kernübungen: Technik auf dem Platz im Detail

Wir gehen im Kurs verschiedene Stationen durch. Jede Station simuliert eine Situation, die dir im Alltag das Leben retten kann oder dir hilft, im Stau nicht umzufallen. Hier ist die Übersicht der wichtigsten Manöver, die wir trainieren.

Übung Fokus & Ziel Typischer Fehler
Spurgasse 15 Meter extrem langsam geradeaus fahren (mind. 15 Sekunden). Trainiert die Balance. Blick nach unten aufs Vorderrad statt weit nach vorne.
Slalom Flüssiges Umfahren von Pylonen. Trainiert Lenkimpuls und Rhythmus. Zu viel Lenkerbewegung, zu steifer Oberkörper.
Achterfahren Zwei sich kreuzende Kreise fahren. Trainiert extreme Blickführung und Schräglagenvertrauen. Kopf dreht nicht weit genug in die neue Kurve.
Notbremsung Aus 50 km/h sicher und auf kürzestem Weg zum Stillstand kommen. Angst vor der Vorderradbremse, Arme nicht gestreckt.

Die Spurgasse ist für viele am Anfang der absolute Endgegner. Das Geheimnis liegt hier im sogenannten Schleifpunkt der Kupplung. Du gibst konstant etwas Gas (leicht erhöhte Drehzahl), hältst die Kupplung genau am Greifpunkt und regulierst die Geschwindigkeit ausschliesslich mit der Fussbremse. Die Vorderradbremse ist bei Schritttempo absolut tabu! Greifst du hier zu, kippt das Motorrad unweigerlich zur Seite.

Tipp aus der Praxis: In der ersten Stunde verkrampfen fast alle am Lenkrad und greifen die Griffe wie ein Rettungsseil. Wenn du in der Spurgasse wackelst, lockere bewusst deine Schultern, atme einmal hörbar aus und drücke die Knie fest an den Tank. Das Motorrad stabilisiert sich sofort, sobald deine Hände es tun.

Blicktechnik: Warum deine Augen das Motorrad lenken

Die Blicktechnik ist das wichtigste Werkzeug eines Motorradfahrers. Dein Motorrad fährt immer dorthin, wo du hinschaust. Das ist keine Esoterik, sondern reine Biomechanik und Psychologie. Wenn du beim Slalom auf den Pylonen starrst, wirst du ihn unweigerlich überfahren. Wir nennen das Zielaberration.

Im Kurs üben wir, den Blick immer schon dort zu haben, wo du in zwei Sekunden sein willst. Beim Achterfahren bedeutet das: Wenn du in die rechte Kurve fährst, schaut dein Kopf bereits über die rechte Schulter auf den Kreuzungspunkt. Das fühlt sich anfangs völlig unnatürlich an. Du musst deinen Kopf aktiv drehen, nicht nur die Augen bewegen. Sobald du das verinnerlicht hast, fallen die Manöver plötzlich extrem leicht. Eine gute Vorbereitung auf diese mentalen Abläufe findest du auch in meinem Guide, wie du dich optimal auf die Motorradprüfung vorbereiten kannst.

Bremsphysik und Historie: Der Weg zum sicheren Stopp

Die Notbremsung rettet Leben. Punkt. Bei 50 km/h legst du in einer Sekunde fast 14 Meter zurück. Wenn ein Auto vor dir ausschert, musst du instinktiv richtig reagieren. Im Kurs schauen wir uns die dynamische Radlastverlagerung an: Beim Bremsen taucht das Motorrad vorne ein, das Gewicht verlagert sich auf das Vorderrad. Dadurch kann der Vorderreifen extrem viel Bremskraft übertragen (bis zu 80 Prozent der gesamten Bremsleistung), während das Hinterrad leicht wird und blockieren kann.

Historisch gesehen hat sich die Ausbildung hier massiv gewandelt. Noch vor zwanzig Jahren war das Stotterbremsen oder das feine Dosieren ohne Blockieren die grosse Kunst. Seit 2016 (für Maschinen über 125 cm³) und 2017 (für alle neuen Motorräder) ist das Antiblockiersystem (ABS) in der Schweiz Pflicht. Das hat die Schulung revolutioniert. Heute bringe ich dir bei, bei einer Gefahr voll und ohne Zögern in die Eisen zu greifen. Das ABS regelt den Rest. Wenn du mehr über die mathematischen Grundlagen deines Anhaltewegs wissen willst, lies dir meinen Artikel zum Thema Bremsweg und Reaktionsweg berechnen durch.

Wir trainieren den Ablauf schrittweise: Gas zu, Kupplung ziehen (damit der Motor nicht schiebt), und dann progressiv – also mit schnell steigendem Druck – vorne und hinten bremsen. Dein Blick bleibt stur geradeaus gerichtet. Schaust du beim Bremsen nach unten, verlierst du die Balance.

Typische Fehler und wie du sie im Kurs vermeidest

Ein grosser Faktor auf dem Übungsplatz ist der Respekt vor dem Umfallen. Das führt oft zu einer passiven Körperhaltung. Du sitzt wie ein nasser Sack auf der Maschine, die Arme sind durchgestreckt, der Rücken ist rund. So kannst du keine Lenkimpulse geben.

Ein weiterer Klassiker ist die falsche Einschätzung des Untergrunds. Auf dem Platz üben wir bei jedem Wetter. Regen ist kein Grund zur Absage – im Gegenteil, es ist die beste Schule. Moderne Reifen haben auch bei Nässe enormen Grip. Wie du dich bei verschiedenen Bedingungen verhältst, erkläre ich dir detailliert in meinem Ratgeber zum Strassenbelag beim Motorradfahren. Vertraue dem Material und meiner Anleitung. Offizielle Vorgaben zur Verkehrssicherheit und Ausrüstung findest du übrigens auch beim Bundesamt für Strassen (ASTRA).

Wie geht es nach diesem Kursteil weiter?

Wenn du den Platz-Teil gemeistert hast, hast du das Rüstzeug für den Verkehr. Du weisst jetzt, wie du das Motorrad auf engstem Raum wendest und wie du es aus voller Fahrt sicher zum Stehen bringst. Das gibt dir das nötige Selbstvertrauen für den nächsten Schritt.

Im dritten und letzten Teil des Grundkurses verlassen wir den geschützten Platz. Dann geht es auf die Landstrasse, in den fliessenden Verkehr und ans Kurvenfahren. Wir wenden die Blicktechnik aus dem Slalom nun bei 80 km/h in echten Kurven an. Alles, was dich dort erwartet, liest du in meiner Übersicht zum Grundkurs Teil 3. Vergiss nicht: Die Kurse bauen aufeinander auf. Es ist extrem wichtig, dass du die Manöver aus Teil 2 bis zum Start von Teil 3 privat weiter übst. Die Anforderungen für die Zulassung zur praktischen Prüfung regelt in unserer Region das Strassenverkehrsamt St.Gallen, und die Experten dort sehen sofort, ob jemand die Platzübungen verinnerlicht hat oder nur auswendig gefahren ist.

Häufige Fragen zum Grundkurs Teil 2

Brauche ich für den zweiten Teil ein eigenes Motorrad?

Ja. In der Schweiz musst du den Grundkurs mit deinem eigenen Motorrad (oder Roller) absolvieren, für das du auch den Lernfahrausweis gelöst hast. Es muss betriebssicher sein und der Kategorie deines Ausweises entsprechen.

Was passiert, wenn es am Kurstag regnet?

Der Kurs findet bei jeder Witterung statt, ausser bei Schnee und Eis. Regen ist eine hervorragende Gelegenheit, das Bremsen bei Nässe unter professioneller Anleitung zu üben. Nimm einfach gute Regenbekleidung mit.

Kann ich durch den Kurs fallen?

Der Grundkurs ist keine Prüfung im klassischen Sinn, du bekommst am Ende keine Note. Aber als Fahrlehrer bin ich gesetzlich verpflichtet, dir die Kursbestätigung nur auszustellen, wenn du die Kursziele erreicht hast. Wer gefährlich fährt oder die Anweisungen komplett ignoriert, muss den Teil wiederholen.

Wie lange ist die Bestätigung vom Grundkurs gültig?

Sobald du alle vorgeschriebenen Kursteile (je nach Kategorie 12 Stunden) absolviert hast, verlängert sich dein Lernfahrausweis um 12 Monate. In dieser Zeit musst du die praktische Führerprüfung bestehen.

Darf ich zwischen den Kursteilen privat üben?

Unbedingt! Das ist sogar der Sinn der Sache. Du darfst mit dem Lernfahrausweis in der Schweiz (mit Ausnahme von Autobahnen, bis du prüfungsreif bist) selbstständig fahren. Übe die Manöver aus Teil 2 auf einem leeren Parkplatz, bevor du in Teil 3 gehst.

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rafuna

Dein Fahrlehrer für Auto & Motorrad in St.Gallen und Umgebung. Mobil ist das Ziel.

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