Erste-Hilfe-Mythen: 8 Irrtümer, die im Notfall gefährlich sind
Erste-Hilfe-Mythen können am Unfallort wertvolle Zeit kosten. Ich zeige dir, warum du den Helm abnehmen musst und welche …
Kontakt | +41 78 841 51 81 | fahrschule@rafuna.ch
+41 78 841 51 81 | fahrschule@rafuna.ch

Wenn du am Unfallort einen Schock stabilisieren musst, zählt oft jede Minute. Ein Kreislaufkollaps ist eine lebensbedrohliche Situation, bei der die inneren Organe nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden. In meinen Nothelferkursen in St.Gallen sehe ich oft, dass viele angehende Neulenker grossen Respekt vor genau diesem Moment haben. Dabei sind die Massnahmen für dich als Ersthelfer denkbar einfach und effektiv, wenn du weisst, worauf es ankommt. Die wichtigste Regel vorab: Ruhe bewahren, Notruf wählen und handeln.
Ein Schock ist medizinisch gesehen eine akute Unterversorgung der lebenswichtigen Organe mit Sauerstoff. Der Blutdruck fällt stark ab. Um das Überleben zu sichern, zieht der Körper das Blut aus den Armen und Beinen ab und konzentriert es im Rumpf und Kopf. Dieser Vorgang nennt sich Zentralisation und schützt Herz und Gehirn.
Genau diese Zentralisation erklärt auch die typischen Symptome, die du am Unfallort beobachten kannst. Weil die Haut und die Extremitäten nicht mehr stark durchblutet werden, friert die Person extrem. Die Haut wird blass und fühlt sich kalt an. Das Herz versucht gleichzeitig, den abfallenden Blutdruck durch schnelleres Schlagen auszugleichen. Deshalb ist der Puls bei einem Schockpatienten oft stark beschleunigt, aber gleichzeitig nur noch sehr schwach am Handgelenk tastbar. Wenn du verstehst, was im Körper passiert, wird auch völlig logisch, warum wir bei der Ersten Hilfe genau die Massnahmen ergreifen, die wir ergreifen. Wir unterstützen den Körper bei seiner eigenen Überlebensstrategie.
Blasse, kalte Haut, kalter Schweiss auf der Stirn und ein rasender, kaum spürbarer Puls sind die deutlichsten Warnsignale. Oft sind die Betroffenen unruhig, zittern, wirken stark verängstigt oder sind in ihrer Wahrnehmung bereits getrübt.
Es ist wichtig, dass du die Person genau beobachtest. Ein Schockzustand tritt nach schweren Unfällen, starken Blutungen, aber auch bei allergischen Reaktionen oder schweren Verbrennungen auf. Manchmal entwickelt sich der Zustand nicht sofort in der ersten Minute nach dem Unfall, sondern schleichend. Eine Person, die nach einem Auffahrunfall anfangs noch aufgeregt am Strassenrand telefoniert hat, kann zehn Minuten später apathisch am Boden sitzen und frieren. Achte auf bläuliche Lippen, ein eingefallenes Gesicht und eine auffällige Unruhe oder Teilnahmslosigkeit. Sobald du diese Anzeichen bemerkst, musst du sofort handeln, um den Ersthelfer-Pflichten am Unfallort nachzukommen.
Die wichtigste Massnahme ist die sogenannte Schocklagerung. Lege die Person flach auf den Rücken und hebe ihre Beine um etwa 20 bis 30 Zentimeter an. Parallel deckst du sie warm zu und alarmierst die Rettungskräfte.
Hier ist der genaue Ablauf, den wir auch im Kurs für den Nothelfer für den Lernfahrausweis trainieren:
1. Notruf absetzen: Wähle in der Schweiz die Nummer 144 (Sanität) oder 112 (allgemeiner Notruf). Wenn andere Personen in der Nähe sind, delegiere diese Aufgabe. Zeige direkt auf eine Person und sage: «Du im blauen Pullover, wähle den Notruf 144 und sag mir, was sie sagen!»
2. Schocklagerung anwenden: Lege die Person flach auf den Rücken. Hebe die Beine an. Durch die Schwerkraft fliesst das Blut aus den Beinen zurück in die Körpermitte. Das unterstützt die Zentralisation des Körpers und versorgt Herz und Gehirn wieder besser mit Sauerstoff. Lege die Beine am besten auf einen Rucksack, eine aufgerollte Jacke oder einen Helm. So musst du sie nicht die ganze Zeit festhalten.
3. Wärmeerhalt sichern: Hole den Verbandskasten aus dem Auto und nimm die Rettungsdecke heraus. Bei der Rettungsdecke gehört die silberne Seite nach innen zum Patienten, die goldene nach aussen. Die Folie wärmt nicht von selbst, sondern reflektiert die Körperwärme. Achte darauf, dass die Person auch von unten nicht auskühlt – schiebe nach Möglichkeit eine Jacke oder Decke unter sie.
4. Psychologische Betreuung: Lass die Person nicht allein. Sprich ruhig mit ihr. Erkläre, was du tust («Ich decke dich jetzt zu, die Ambulanz ist schon unterwegs»). Körperkontakt wie das Halten der Hand kann den Stresspegel massiv senken, was wiederum das Herz entlastet.
Bei Kopfverletzungen, Atemnot, Herzproblemen oder Brüchen an den Beinen und im Beckenbereich darfst du die Beine nicht hochlagern. Hier würde das zusätzliche Blut im Oberkörper den Zustand verschlimmern oder starke Schmerzen verursachen.
Wenn jemand bei Bewusstsein ist und über starke Schmerzen in der Brust klagt oder offensichtlich Atemnot hat, ist der Oberkörper stattdessen leicht hochzulagern. Das entlastet das Herz und erleichtert die Atmung. Bei Kopfverletzungen (zum Beispiel nach einem Sturz mit dem Motorrad) könnte eine Schocklagerung den Hirndruck gefährlich erhöhen. Auch hier gilt: Oberkörper leicht erhöht lagern, etwa um 30 Grad. Wenn du dir unsicher bist, weil die Person mehrere Verletzungen hat, wähle den Notruf 144. Die Disponenten der Einsatzzentrale sind medizinisch geschult und leiten dich am Telefon Schritt für Schritt an. Sie sagen dir genau, welche Lagerung im aktuellen Fall die beste ist.
In der Ersten Hilfe unterscheiden wir hauptsächlich zwischen dem Volumenmangelschock durch Blutverlust, dem kardiogenen Schock bei Herzproblemen und dem anaphylaktischen Schock bei Allergien. Die Grundregel der Stabilisierung bleibt für Ersthelfer fast immer gleich.
Um dir einen besseren Überblick zu geben, habe ich die wichtigsten Schockarten und ihre Ursachen hier zusammengefasst:
| Art des Schocks | Typische Ursache | Besonderheit für Ersthelfer |
|---|---|---|
| Volumenmangelschock | Starke äussere oder innere Blutungen, schwerer Flüssigkeitsverlust. | Blutungen sofort stillen (Druckverband). Schocklagerung zwingend anwenden. |
| Kardiogener Schock | Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen. Das Herz pumpt nicht mehr richtig. | Keine Schocklagerung! Oberkörper stattdessen leicht hochlagern zur Entlastung. |
| Anaphylaktischer Schock | Schwere allergische Reaktion (z. B. Bienenstich, Medikamente, Erdnüsse). | Nach Notfall-Medikamenten (z. B. EpiPen) der Person fragen. Schocklagerung anwenden. |
| Psychogener Schock | Extreme emotionale Belastung, Todesangst, Anblick eines schweren Unfalls. | Ruhiges Zureden, Abschirmen vor Schaulustigen. Person flach hinlegen. |
Historisch gesehen hat sich die Erste Hilfe beim Schock stark gewandelt. Noch in den 1970er und 1980er Jahren war es durchaus üblich, einem Unfallopfer zur «Beruhigung» einen Schluck Wasser oder gar Alkohol anzubieten. Heute wissen wir: Das ist lebensgefährlich. Wenn die Person plötzlich das Bewusstsein verliert, können die Muskeln erschlaffen und die Flüssigkeit läuft in die Lunge. Ein Schockpatient darf unter keinen Umständen etwas zu trinken oder zu essen bekommen, auch wenn er starken Durst äussert. Der Durst ist lediglich ein Symptom des Volumenmangels. Tröste die Person stattdessen und befeuchte im äussersten Fall nur leicht ihre Lippen mit Wasser, wenn die Rettungskräfte noch länger auf sich warten lassen.
Ein oft unterschätzter Faktor ist die psychische Erste Hilfe. Wer unter Schock steht, hat Todesangst. Ruhiges Zureden, Händchenhalten und das Abschirmen vor Schaulustigen senken den Stresspegel und stabilisieren den Kreislauf messbar.
Wenn du am Unfallort stehst, bist du der Anker für die verletzte Person. Dein eigenes Verhalten überträgt sich direkt auf das Opfer. Wenn du panisch herumschreist, steigt der Puls des Patienten weiter an – und genau das wollen wir beim Schockzustand verhindern. Atme selbst einmal tief durch. Knie dich neben die Person, begib dich auf ihre Augenhöhe. Sprich mit fester, ruhiger Stimme. Vermeide Sätze wie «Oh mein Gott, das sieht schlimm aus». Sage stattdessen: «Mein Name ist Rafuna. Ich bin bei dir und passe auf dich auf. Die Sanität ist bereits alarmiert und auf dem Weg.» Schirme die Person ab. Wenn Gaffer mit Handys am Strassenrand stehen, weise umstehende Passanten an, eine Sichtbarriere zu bilden. Das schützt die Würde des Opfers und reduziert den Stress enorm.
Einen Schock stabilisieren lernst du am besten, wenn du die Erste-Hilfe-Handgriffe selbst ausprobierst. Im Nothelferkurs üben wir das Hochlagern und Zudecken so lange, bis die Abläufe sitzen und du für den Ernstfall bereit bist.
Der Nothelferkurs ist in der Schweiz nicht umsonst obligatorisch, bevor du den Lernfahrausweis beantragen darfst. Die Theorie aus einem Buch oder einem Blogbeitrag wie diesem ist wichtig für das Grundverständnis. Aber wenn du nachts bei Regen auf einer Landstrasse im Kanton St.Gallen an einen Unfall kommst, musst du handeln, ohne gross nachzudenken. Du musst wissen, wie sich eine Rettungsdecke anfühlt, wie sie raschelt und wie man sie bei starkem Wind um eine Person wickelt, ohne dass sie wegfliegt. Offizielle Stellen wie der Schweizerische Samariterbund oder das Portal ch.ch betonen immer wieder: Die Überlebenschancen bei schweren Unfällen hängen massgeblich von den Ersthelfern in den ersten zehn Minuten ab. Stand September 2026 dauern die Kurse zehn Stunden und bieten dir genau diesen sicheren Rahmen, um Fehler zu machen, Fragen zu stellen und die Handgriffe zu perfektionieren.
Nein, auf gar keinen Fall. Personen im Schockzustand dürfen weder essen noch trinken, auch wenn sie starken Durst äussern. Es besteht akute Erstickungsgefahr, falls sie plötzlich bewusstlos werden und sich übergeben müssen. Ausserdem muss der Magen für eine mögliche Notoperation im Spital leer sein.
Die stabile Seitenlage wendest du nur an, wenn die Person bewusstlos ist, aber noch normal atmet. Ist die Person bei Bewusstsein, wählst du die Schocklagerung (Rückenlage, Beine hoch), um den Blutkreislauf zu unterstützen. Beide Massnahmen schliessen sich also je nach Bewusstseinszustand aus.
Das ist sehr individuell und hängt von der Ursache ab. Ein starker innerer Blutverlust kann innerhalb von wenigen Minuten lebensbedrohlich werden. Deshalb gilt: Nicht abwarten, sondern sofort den Notruf 144 wählen und unverzüglich mit der Lagerung und dem Wärmeerhalt beginnen.
Eine Ohnmacht (Synkope) ist eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit, die oft durch einen harmlosen, vorübergehenden Blutdruckabfall entsteht. Die Person erholt sich meist nach wenigen Sekunden in flacher Lage. Ein Schock ist ein anhaltendes, lebensbedrohliches Kreislaufversagen, das medizinisch im Spital behandelt werden muss.
Um eine Person warm zu halten und vor dem Auskühlen zu schützen, muss die silberne Seite nach innen (zum Körper hin) und die goldene Seite nach aussen zeigen. Die silberne Beschichtung reflektiert die Infrarotstrahlung (Körperwärme) der verletzten Person zurück und stoppt so den Wärmeverlust.