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Heimlich-Handgriff: So rettest du Leben bei Verschlucken

Heimlich-Handgriff: So rettest du Leben bei Verschlucken

Der Heimlich-Handgriff ist eine lebensrettende Sofortmassnahme, die du bei Erstickungsnotfällen anwenden kannst. Wenn jemand an einem Fremdkörper in den Atemwegen zu ersticken droht und nicht mehr husten kann, ist schnelles Handeln gefragt. Als Fahrlehrer weiss ich, wie wichtig fundierte Erste-Hilfe-Kenntnisse sind – und der Heimlich-Handgriff gehört definitiv dazu.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Heimlich-Handgriff wird angewendet, wenn eine Person bei vollem Bewusstsein an einem Fremdkörper erstickt und Rückenschläge nicht helfen.
  • Die Technik unterscheidet sich leicht für Erwachsene, Kinder und Babys, um Verletzungen zu vermeiden.
  • Wichtig ist, den Notruf 144 umgehend abzusetzen und den Heimlich-Handgriff nur bei akuter Erstickungsgefahr anzuwenden.

Wann wende ich den Heimlich-Handgriff an und wann nicht?

Du wendest den Heimlich-Handgriff nur an, wenn eine Person bei vollem Bewusstsein ist, einen Fremdkörper in den Atemwegen hat und nicht mehr effektiv husten oder sprechen kann. Das bedeutet, die Person ringt nach Luft, wird blau im Gesicht oder zeigt deutliche Anzeichen einer akstickenden Blockade. Wenn die Person noch husten kann, ermutige sie zum Husten. Der Heimlich-Handgriff ist eine Massnahme der zweiten Wahl, nachdem du fünf kräftige Schläge auf den Rücken zwischen die Schulterblätter versucht hast und diese erfolglos waren.

Ich sehe im Nothelferkurs immer wieder, dass Leute unsicher sind, wann genau sie eingreifen sollen. Der Heimlich-Handgriff ist nicht für Bewusstlose, Säuglinge unter einem Jahr (hier gibt es andere Techniken) oder bei Vergiftungen gedacht. Er darf auch nicht bei Personen angewendet werden, die sich verschluckt haben, aber noch atmen oder husten können. Die Gefahr von inneren Verletzungen ist zu gross, wenn er falsch oder unnötig ausgeführt wird.

Heimlich-Handgriff anwenden: Schritt für Schritt erklärt

Die korrekte Durchführung des Heimlich-Handgriffs ist entscheidend für den Erfolg und die Sicherheit der betroffenen Person. Hier erkläre ich dir, wie du vorgehst, wenn ein Erwachsener oder ein Kind über einem Jahr zu ersticken droht:

  1. Notruf absetzen (oder absetzen lassen): Bevor du mit den Massnahmen beginnst, sorge dafür, dass jemand den Notruf 144 wählt. Bist du allein, rufst du selbst an, nachdem du die ersten Massnahmen eingeleitet hast.
  2. Positionierung: Stelle dich hinter die betroffene Person. Umfasse ihren Oberkörper mit beiden Armen. Die Person sollte leicht nach vorne gebeugt sein, um das Herausfallen des Fremdkörpers zu erleichtern.
  3. Faust bilden: Bilde mit einer Hand eine Faust. Lege diese Faust auf den Oberbauch der Person, genauer gesagt zwischen den Nabel und den unteren Rand des Brustbeins. Achte darauf, dass du nicht auf die Rippen oder das Brustbein drückst.
  4. Fassen der Faust: Umfasse deine Faust mit der anderen Hand.
  5. Kräftige Stösse: Ziehe die Faust nun fünfmal kräftig und ruckartig nach innen und gleichzeitig nach oben. Das erzeugt einen Überdruck im Bauchraum, der die Lunge komprimiert und den Fremdkörper aus den Atemwegen pressen soll. Jeder Stoss sollte eine separate, deutliche Bewegung sein.
  6. Kontrolle: Prüfe nach jedem Stoss, ob der Fremdkörper gelöst wurde. Wenn die Person wieder atmen kann oder der Fremdkörper sichtbar ist und entfernt werden kann, höre auf.
  7. Wiederholung: Wenn der Fremdkörper nicht gelöst wurde, wechsle wieder zu fünf kräftigen Rückenschlägen und wiederhole dann den Heimlich-Handgriff. Führe diese Abfolge im Wechsel fort, bis der Fremdkörper entfernt ist oder die Person bewusstlos wird.
Tipp aus der Praxis: Viele sind unsicher, wie viel Kraft sie anwenden sollen. Stell dir vor, du möchtest die Person mit dem Stoss „hochheben“. Das gibt dir ein Gefühl für die nötige Intensität. Aber denke immer daran: Die Sicherheit der Person hat oberste Priorität.

Wenn die Person bewusstlos wird, legst du sie vorsichtig auf den Boden und beginnst sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Auch wenn der Fremdkörper entfernt wurde, sollte die Person ärztlich untersucht werden, um mögliche innere Verletzungen auszuschliessen.

Heimlich-Handgriff bei Kindern und Babys: Besondere Vorsicht

Bei Kindern und insbesondere bei Babys ist die Anwendung des Heimlich-Handgriffs anders und erfordert besondere Vorsicht, da ihre Knochen und Organe noch sehr empfindlich sind. Als Fahrlehrer empfehle ich dir dringend, einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder zu besuchen, wenn du mit kleinen Kindern zu tun hast.

Bei Kindern (über einem Jahr)

Die Technik ist ähnlich wie bei Erwachsenen, aber mit deutlich weniger Kraft. Du solltest dich hinknien, um auf Augenhöhe mit dem Kind zu sein. Die Stösse sind sanfter, aber immer noch kräftig genug, um den Fremdkörper zu lösen. Achte darauf, dass du nicht auf die unteren Rippen drückst.

Bei Babys (unter einem Jahr)

Bei Säuglingen wird der Heimlich-Handgriff, auch Heimlich-Griff Baby genannt, nicht angewendet. Stattdessen nutzt du eine Kombination aus Rückenschlägen und Brustkompressionen:

  1. Positionierung: Lege das Baby bäuchlings auf deinen Unterarm, den Kopf tiefer als den Rumpf. Stütze den Kopf des Babys mit deiner Hand.
  2. Rückenschläge: Gib fünf kräftige Schläge mit dem Handballen zwischen die Schulterblätter des Babys.
  3. Drehen: Drehe das Baby auf den Rücken, halte den Kopf weiterhin gestützt und tiefer als den Rumpf.
  4. Brustkompressionen: Drücke fünfmal mit zwei Fingern schnell und kräftig auf die Mitte des Brustbeins (unterhalb der Brustwarzenlinie).
  5. Wiederholung: Wechsle zwischen fünf Rückenschlägen und fünf Brustkompressionen, bis der Fremdkörper gelöst ist oder das Baby bewusstlos wird.
Tipp aus der Praxis: Stell dir vor, du möchtest das Baby sanft, aber bestimmt schütteln, um den Fremdkörper zu lösen. Bei Babys geht es darum, den Druck auf den Brustkorb zu konzentrieren, um die Lunge zu entleeren.

Heimlich-Handgriff an dir selbst: Hilfe in der Not

Es ist eine beängstigende Vorstellung, aber was, wenn du selbst zu ersticken drohst und niemand da ist, der dir helfen kann? Auch in dieser Situation gibt es eine Möglichkeit, den Heimlich-Handgriff an dir selbst durchzuführen.

Dazu ballst du eine Faust und legst sie zwischen deinen Nabel und den unteren Rand deines Brustbeins. Umfasse diese Faust mit der anderen Hand. Nun drückst du dich mit deinem Oberkörper kräftig und ruckartig über einen festen Gegenstand, wie die Rückenlehne eines Stuhls, eine Tischkante oder ein Geländer. Ziel ist es, den gleichen Druckeffekt zu erzeugen, der den Fremdkörper aus deinen Atemwegen befördert. Wiederhole dies, bis der Fremdkörper gelöst ist. Es erfordert Mut und Entschlossenheit, aber es kann dein Leben retten.

Ist der Heimlich-Handgriff noch erlaubt? Die aktuelle Empfehlung

Die Frage, ob der Heimlich-Griff noch erlaubt oder empfohlen wird, taucht immer wieder auf. Die Antwort ist: Ja, der Heimlich-Handgriff ist weiterhin eine empfohlene Massnahme bei Erstickungsnotfällen. Allerdings haben sich die internationalen und nationalen Richtlinien im Laufe der Jahre weiterentwickelt.

Die aktuellen Empfehlungen des European Resuscitation Council (ERC), die auch in der Schweiz durch Organisationen wie den Schweizerischen Samariterbund übernommen werden, sehen vor, dass bei einer Person, die bei vollem Bewusstsein an einem Fremdkörper erstickt, zuerst fünf kräftige Rückenschläge durchgeführt werden. Erst wenn diese erfolglos sind, folgen fünf Bauchstösse (Heimlich-Handgriff). Diese Abfolge wird so lange wiederholt, bis der Fremdkörper entfernt ist oder die Person bewusstlos wird. Sollte die Person bewusstlos werden, beginnt man sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Ich finde es wichtig, diese Reihenfolge zu kennen. Das ist auch ein zentraler Bestandteil jedes Nothelferkurses in St.Gallen. Es geht darum, systematisch vorzugehen und die effektivste Methode zuerst anzuwenden.

Nach dem Heimlich-Handgriff: Was du beachten musst

Auch wenn der Heimlich-Handgriff erfolgreich war und der Fremdkörper entfernt wurde, ist der Notfall nicht unbedingt vorbei. Es gibt wichtige Schritte, die du danach beachten solltest:

  1. Ärztliche Untersuchung: Die Person sollte immer ärztlich untersucht werden. Die kräftigen Stösse können innere Verletzungen verursachen, zum Beispiel an Organen wie der Leber oder Milz, oder Rippenbrüche. Auch wenn keine sofortigen Symptome sichtbar sind, ist eine Abklärung wichtig.
  2. Beobachtung: Bleibe bei der Person und beobachte ihren Zustand genau. Achte auf Atemprobleme, Schmerzen, Übelkeit oder andere ungewöhnliche Symptome.
  3. Notruf nicht abbrechen: Wenn der Notruf bereits abgesetzt wurde, lass ihn nicht abbrechen, bis professionelle Hilfe vor Ort ist und die Situation beurteilt hat.
  4. Beruhigung: Die Situation ist für die betroffene Person und für dich selbst extrem stressig. Versuche, ruhig zu bleiben und die Person zu beruhigen.

Diese Nachsorge ist ein oft unterschätzter Teil der Ersten Hilfe. Der Heimlich-Handgriff ist eine Akutmassnahme, aber die medizinische Betreuung danach sichert die langfristige Gesundheit der Person.

Die Geschichte des Heimlich-Handgriffs

Der Heimlich-Handgriff ist nach seinem Erfinder, dem amerikanischen Arzt Henry Heimlich, benannt. Er entwickelte die Technik in den frühen 1970er-Jahren. Zu dieser Zeit waren Erstickungsfälle durch Fremdkörper eine häufige Todesursache, und es gab keine effektive Standardmethode zur Rettung.

Heimlich veröffentlichte seine Methode 1974 im Journal „Emergency Medicine“. Seine Technik, die den Druck auf den Oberbauch nutzt, um die Lunge zu komprimieren und den Fremdkörper auszustossen, wurde schnell weltweit bekannt und in viele Erste-Hilfe-Richtlinien aufgenommen. Zuvor wurden oft Schläge auf den Rücken empfohlen, die Heimlich für weniger effektiv und sogar gefährlich hielt, da sie den Fremdkörper tiefer in die Atemwege drücken könnten.

Obwohl die Methode im Laufe der Jahre diskutiert und die Empfehlungen (wie oben beschrieben, in Kombination mit Rückenschlägen) angepasst wurden, bleibt der Name „Heimlich-Handgriff“ ein Synonym für lebensrettende Erste Hilfe bei Erstickung. Es ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie eine einzelne Innovation unzählige Leben retten kann.

Häufige Fragen zum Heimlich-Handgriff

Ist der Heimlich-Griff noch erlaubt?

Ja, der Heimlich-Handgriff ist weiterhin eine empfohlene lebensrettende Massnahme bei Erstickungsnotfällen. Gemäss aktuellen Richtlinien, wie denen des Schweizerischen Samariterbundes, wird er angewendet, wenn fünf kräftige Rückenschläge erfolglos waren und die Person bei Bewusstsein ist. Die Abfolge von Rückenschlägen und Bauchstössen wird wiederholt, bis der Fremdkörper gelöst ist oder die Person bewusstlos wird. Der Heimlich-Griff ist ein wichtiger Bestandteil der Ersten Hilfe, den ich auch in meinen Nothelferkursen in St.Gallen erkläre.

Wie funktioniert der Heimlich-Handgriff?

Um den Heimlich-Handgriff durchzuführen, stellst du dich hinter die betroffene Person und umgreifst ihren Oberkörper. Bilde mit einer Hand eine Faust und platziere sie auf dem Oberbauch zwischen Bauchnabel und Brustbein. Umfasse diese Faust mit der anderen Hand und ziehe sie fünfmal kräftig und ruckartig nach innen und oben. Ziel ist es, einen Druck auf die Lunge auszuüben, der den Fremdkörper aus den Atemwegen befördert. Diese Technik ist für Erwachsene und Kinder über einem Jahr gedacht.

Wie sieht der Heimlich-Handgriff aus?

Der Heimlich-Handgriff sieht so aus, dass du hinter der stehenden oder sitzenden Person stehst, sie mit den Armen umgreifst und deine Hände zu einer Faust schliesst, die du mit der anderen Hand umfasst. Diese Faust platzierst du im Oberbauch der Person. Dann ziehst du deine Hände fünfmal ruckartig und kräftig nach innen und oben. Die Person sollte dabei leicht nach vorne gebeugt sein. Es ist eine dynamische Bewegung, die darauf abzielt, den Fremdkörper durch plötzlichen Druck aus den Atemwegen zu pressen.

Kann ich den Heimlich-Handgriff alleine durchführen?

Ja, du kannst den Heimlich-Handgriff auch an dir selbst durchführen, wenn du alleine bist und zu ersticken drohst. Dazu ballst du eine Faust und legst sie auf deinen Oberbauch, zwischen Nabel und Brustbein. Dann umgreifst du diese Faust mit der anderen Hand. Anschliessend drückst du deinen Oberkörper kräftig und ruckartig über einen festen Gegenstand, wie eine Stuhllehne oder Tischkante, um den notwendigen Druck zu erzeugen. Wiederhole dies, bis der Fremdkörper gelöst ist. Es ist eine Notlösung, die Leben retten kann.

Was ist der Unterschied zwischen Rückenschlägen und Heimlich-Handgriff?

Rückenschläge und der Heimlich-Handgriff sind beides Massnahmen bei Erstickungsgefahr, die jedoch unterschiedlich angewendet werden. Rückenschläge werden zuerst durchgeführt: Du gibst fünf kräftige Schläge mit dem Handballen zwischen die Schulterblätter der leicht nach vorne gebeugten Person. Wenn diese nicht helfen, folgt der Heimlich-Handgriff mit fünf Bauchstössen, die einen Überdruck im Bauchraum erzeugen. Die aktuellen Empfehlungen sehen eine Abfolge beider Methoden vor, um die besten Chancen auf eine schnelle Befreiung der Atemwege zu gewährleisten.

Wann rufe ich den Notruf bei Erstickungsgefahr?

Du solltest den Notruf 144 sofort absetzen, sobald du erkennst, dass jemand an einem Fremdkörper erstickt und nicht mehr effektiv husten kann. Idealerweise beauftragst du eine anwesende Person damit, während du die Erste-Hilfe-Massnahmen beginnst. Bist du allein, rufst du selbst an, sobald du die ersten Massnahmen (Rückenschläge und Heimlich-Handgriff) eingeleitet hast. Auch wenn der Fremdkörper erfolgreich entfernt wurde, ist es ratsam, den Notruf aufrechtzuerhalten, damit medizinisches Fachpersonal die Person auf mögliche innere Verletzungen untersuchen kann.

Quellen & weiterführende Informationen: Google Unternehmensprofil

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