Probezeit Motorrad: Regeln, WAB-Kurs und Strafen erklärt
Die Probezeit Motorrad dauert in der Schweiz drei Jahre. Erfahre alles zum WAB-Kurs, der Nullpromille-Grenze und was bei …
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Den Grundkurs Teil 1 absolvierst du ganz am Anfang deiner Motorradkarriere. Noch bevor du dich in den dichten Verkehr von St.Gallen stürzt, zeige ich dir in diesen ersten vier Stunden auf dem geschlossenen Übungsplatz, wie du dein Motorrad oder deinen Roller sicher kontrollierst. Es geht um Balance, das feine Zusammenspiel von Gas und Kupplung und vor allem um eine Technik, die viele Anfänger unterschätzen: die richtige Blickführung.
In den ersten vier Stunden lernen wir die absolute Basis der Fahrzeugbeherrschung. Wir bleiben auf dem Übungsplatz in St.Gallen. Du lernst das Anfahren, das Schalten, das sichere Anhalten und das Fahren bei Schrittgeschwindigkeit. Ziel ist es, dass du dich auf deiner Maschine wohlfühlst, bevor wir in den späteren Kursteilen auf die Strasse gehen. Der Kurs ist so aufgebaut, dass auch absolute Anfänger ohne Vorkenntnisse sicher und stressfrei starten können. Wir beginnen mit Trockenübungen, schieben das Motorrad, spüren das Gewicht und gehen dann Schritt für Schritt in die Fahrdynamik über. Du wirst merken, dass ein Motorrad bei langsamer Fahrt völlig anders reagiert als bei 50 km/h. Genau diese Langsamfahr-Physik ist der Kern dieses Kursteils.
Vielleicht hast du von älteren Motorradfahrern gehört, dass der Grundkurs früher nur acht Stunden dauerte. Das hat sich geändert. Seit der grossen Revision der Führerausweisvorschriften in der Schweiz müssen alle Neulenker, unabhängig von der Kategorie (A1 oder A), einen 12-stündigen Kurs absolvieren. Dieser ist in drei Blöcke zu je vier Stunden aufgeteilt. Der Grund für diese Anpassung liegt in der Verkehrssicherheit. Die Unfallstatistiken zeigten, dass gerade die ersten Monate auf dem Zweirad kritisch sind. Mit dem erweiterten Kursangebot stellen wir sicher, dass du nicht nur weisst, wie man Gas gibt, sondern auch komplexe Verkehrssituationen und Notmanöver trainierst. Dieser erste von drei Teilen legt das Fundament. Wenn du hier die Basics verinnerlichst, fallen dir die folgenden Kursteile auf der Strasse und im Kurvenfahren deutlich leichter.
Zum Kursstart brauchst du zwingend deinen gültigen Lernfahrausweis der Kategorie A oder A1, ein verkehrssicheres Motorrad oder einen Roller sowie die komplette Schutzausrüstung. Ohne diese Dinge darfst du gesetzlich nicht am Kurs teilnehmen. Stand 4. Oktober 2026 sind die Vorschriften klar: Ein Helm (mindestens ECE 22.05, besser 22.06), Motorradhandschuhe, festes Schuhwerk, das über die Knöchel reicht, sowie abriebfeste Hosen und eine Motorradjacke mit Protektoren sind Pflicht. Dein Fahrzeug muss zudem ein blaues L-Schild am Heck montiert haben, das gut sichtbar ist. Kontrolliere vor der Abfahrt nach St.Gallen unbedingt den Reifendruck, die Profiltiefe (mindestens 1,6 Millimeter) und ob alle Lichter funktionieren. Eine detaillierte Übersicht zur Ausrüstung findest du in meiner Grundkurs Checkliste, damit du am ersten Kurstag perfekt vorbereitet bist.
Nach der Begrüssung und der Fahrzeugkontrolle geht es direkt an die Praxis. Wir verbringen den grössten Teil der vier Stunden mit konkreten Fahrübungen. Diese Übungen sind nicht nur für den Kurs wichtig, sondern exakt die Manöver, die der Experte später an der praktischen Prüfung von dir sehen will.
Die Spurgasse ist oft die erste grosse Herausforderung. Du musst eine sehr enge, markierte Gasse in Schrittgeschwindigkeit (etwa 3 bis 5 km/h) durchfahren, ohne die Linien zu berühren oder die Füsse abzusetzen. Hier lernst du, dass das Motorrad bei diesem Tempo keine Kreiselkräfte mehr aufbaut, die es von selbst aufrecht halten. Du musst aktiv balancieren. Das Geheimnis liegt im Ziehen der Hinterradbremse gegen den leichten Zug des Motors, während du die Kupplung am Schleifpunkt hältst. Wer hier nur mit dem Gasgriff arbeitet, wird scheitern.
Der Slalom trainiert den sogenannten Lenkimpuls. Um das Motorrad bei langsamer Fahrt um die Hütchen zu zirkeln, musst du den Lenker aktiv einschlagen. Gleichzeitig verlagerst du dein Körpergewicht leicht auf die kurvenäussere Fussraste, um das Motorrad in die Kurve zu drücken. Das erfordert Vertrauen in die Reifen und in deine eigene Balance. Viele dieser typischen Anfängerfehler Motorrad korrigieren wir genau bei dieser Übung.
Die Notbremsung ist die lebensrettende Übung schlechthin. Du beschleunigst auf etwa 50 km/h und musst auf ein Signal hin so schnell und sicher wie möglich zum Stillstand kommen. Hier zeige ich dir, wie sich das Gewicht des Motorrads beim Bremsen massiv auf das Vorderrad verlagert. Du lernst, die Vorderradbremse progressiv zu ziehen – also sanft anlegen und dann den Druck stark erhöhen –, ohne dass das Rad blockiert oder das moderne ABS Motorrad System dich aus der Ruhe bringt. Gleichzeitig musst du die Kupplung ziehen, damit der Motor nicht abstirbt, und das Motorrad mit den Knien am Tank stabilisieren.
Das Motorrad fährt immer dorthin, wo du hinschaust. Das ist keine Esoterik, sondern Biomechanik. Wenn du auf das Schlagloch starrst, wirst du es treffen. Wenn du im Slalom den Pylonen fixierst, fährst du ihn um. In diesem Kursteil trainieren wir intensiv, den Kopf zu drehen und den Blick weit voraus zu richten. Dein Gehirn berechnet unterbewusst die nötige Schräglage und den Lenkimpuls, wenn du das Ziel im Auge behältst. Eine verkrampfte Haltung blockiert diese natürlichen Abläufe. Deshalb legen wir auch grossen Wert auf die richtige Sitzposition Motorrad. Lockere Schultern, leicht angewinkelte Arme und ein entspannter Griff am Lenker sind die Voraussetzung dafür, dass du den Kopf überhaupt frei drehen kannst.
Wer von einem Automatikauto oder einem Fahrrad auf ein handgeschaltetes Motorrad wechselt, muss seine Extremitäten völlig neu koordinieren. Die linke Hand bedient die Kupplung, der linke Fuss schaltet die Gänge. Die rechte Hand kontrolliert das Gas und die Vorderradbremse, während der rechte Fuss die Hinterradbremse bedient. Im Grundkurs Teil 1 isolieren wir diese Bewegungen. Du lernst, den Schleifpunkt der Kupplung blind zu finden. Das ist der Moment, in dem die Motorkraft beginnt, das Hinterrad anzutreiben. Wenn du diesen Punkt beherrschst, kannst du am Berg anfahren, ohne zurückzurollen, und extrem langsame Manöver fahren, ohne dass der Motor ruckelt. Die Hinterradbremse wird dabei zu deinem besten Freund: Leicht betätigt, streckt sie das Motorrad und bringt eine enorme Stabilität in langsame Fahrmanöver. Bevor du an die offizielle Motorradprüfung denkst, musst du diese Abläufe im Schlaf beherrschen. Wer sich unsicher ist, sollte auch die aktuellen Vorschriften des ASTRA bezüglich der Fahrzeuganforderungen vorab studieren.
| Kursteil | Dauer | Fokus & Inhalt |
|---|---|---|
| Teil 1 | 4 Stunden | Platzübungen, Fahrzeugbeherrschung, Langsamfahrt, Spurgasse, Notbremsung. |
| Teil 2 | 4 Stunden | Verkehrsbeobachtung, Einspuren, Befahren von Verzweigungen, Fahren im Stadtverkehr. |
| Teil 3 | 4 Stunden | Kurventechnik, Überlandfahrten, Schräglage, Gruppenfahren, Notmanöver bei höherem Tempo. |
Nach Abschluss dieser vier Stunden bist du bereit für den Verkehr. Du hast das Rüstzeug, um sicher an Kreuzungen heranzufahren und im Stadtverkehr mitzuschwimmen. Vergiss nicht, dass du für den Erhalt des Lernfahrausweises zuvor auch den obligatorischen Sehtest machen musstest. Falls du dazu noch Fragen hast, lies dir meinen Beitrag über den Sehtest Motorrad durch. Und denke daran: Die Teilnahmebestätigung für den Kurs wird direkt elektronisch an das Strassenverkehrsamt übermittelt. Weitere Details zu den Fristen findest du auch bei den offiziellen Regeln auf ch.ch.
Ja, absolut. Wenn du den Führerausweis für die Kategorie A1 (bis 125 ccm) oder A beschränkt machen möchtest und einen Roller fährst, absolvierst du genau denselben Kurs. Die Übungen wie Spurgasse und Notbremsung sind identisch. Der einzige Unterschied ist, dass du beim Roller nicht schalten musst, was dir am Anfang etwas Kapazität für die Balance und die Blicktechnik freihält.
Der Kurs findet bei jeder Witterung statt. Als Motorradfahrer musst du auch bei Regen sicher unterwegs sein. Tatsächlich ist ein nasser Übungsplatz hervorragend geeignet, um den Respekt vor nassen Strassen abzubauen und zu spüren, wie viel Grip moderne Reifen auch bei Nässe bieten. Packe also unbedingt gute Regenbekleidung ein, wenn die Prognose für St.Gallen schlecht ist.
Der komplette Motorrad-Grundkurs (alle drei Teile, also 12 Stunden) ist unbeschränkt gültig. Das bedeutet, wenn du den Kurs einmal vollständig absolviert hast, musst du ihn bei einer späteren Erweiterung (zum Beispiel von A1 auf A) nicht noch einmal machen. Der Lernfahrausweis selbst verlängert sich nach Absolvierung des Kurses automatisch um 12 Monate.
Ja, sobald du den gültigen Lernfahrausweis in den Händen hältst, darfst du auf Schweizer Strassen fahren. Ich empfehle dir jedoch dringend, vor dem Grundkurs Teil 1 nur auf grossen, leeren Plätzen abseits des Verkehrs zu üben. Ohne die richtige Bremstechnik und Blickführung ist der Stadtverkehr für absolute Anfänger schlicht zu gefährlich.
Ja, für den Grundkurs musst du ein eigenes, verkehrssicheres Motorrad oder einen Roller mitbringen. Die Fahrschule stellt in der Regel keine Fahrzeuge für den Grundkurs zur Verfügung. Du musst mit der Maschine üben, mit der du später auch die praktische Prüfung ablegen wirst. Achte darauf, dass das Fahrzeug der Kategorie deines Lernfahrausweises entspricht.