Helm abnehmen Unfall: Was tun bei Motorradunfall? Dein Guide (16.08.2026)
Beim Motorradunfall den Helm abnehmen? Ich erkläre dir als Fahrlehrer, wann du handeln musst und wann nicht. Dein …
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Der Bremsweg Motorrad ist eine der wichtigsten Grössen, die du als Motorradfahrer kennen und beherrschen musst. Er entscheidet im Ernstfall darüber, ob du eine kritische Situation meistern oder einen Unfall verhindern kannst. Ich zeige dir, welche Faktoren deinen Bremsweg beeinflussen und wie du durch die richtige Technik sicher zum Stehen kommst.
Der Bremsweg Motorrad ist die Strecke, die dein Töff ab dem Zeitpunkt zurücklegt, an dem du die Bremse betätigst, bis zum vollständigen Stillstand. Er ist Teil des gesamten Anhaltewegs, der sich aus Reaktionsweg und Bremsweg zusammensetzt. Der Reaktionsweg ist die Strecke, die dein Motorrad während deiner Reaktionszeit zurücklegt, bevor du überhaupt bremst. Diese Zeit beträgt bei den meisten Menschen etwa eine Sekunde – und genau in dieser Sekunde kann dein Motorrad bei Tempo 50 schon 14 Meter weit gefahren sein. Danach beginnt der eigentliche Bremsweg.
Dein Bremsweg auf dem Motorrad ist kein fester Wert, sondern hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Als Fahrlehrer erlebe ich immer wieder, wie überrascht meine Schüler sind, wenn wir das in der Praxis auf dem Übungsplatz ausprobieren. Hier sind die wichtigsten Einflussgrössen, die du kennen musst:
Der wohl entscheidendste Faktor ist deine Geschwindigkeit. Der Bremsweg wächst nicht linear mit der Geschwindigkeit, sondern quadratisch. Das heisst: Verdoppelst du deine Geschwindigkeit, vervierfacht sich dein Bremsweg. Fährst du beispielsweise statt 50 km/h plötzlich 100 km/h, ist dein Bremsweg nicht doppelt, sondern viermal so lang. Das ist ein physikalisches Gesetz, das du dir immer vor Augen halten solltest.
Die Art und Weise, wie du bremst, ist auf dem Motorrad entscheidend. Im Gegensatz zum Auto, wo du meist nur ein Pedal trittst, hast du hier zwei unabhängige Bremsen: die Vorderradbremse und die Hinterradbremse. Die Vorderradbremse ist für den Grossteil der Bremsleistung verantwortlich (bis zu 70-80 Prozent), während die Hinterradbremse für Stabilität sorgt und ein Blockieren des Vorderrads verhindern kann. Eine optimale Bremsung erfordert ein progressives, aber kräftiges Betätigen beider Bremsen. Lies auch meinen Artikel zur Notbremsung Motorrad: So meisterst du sie sicher in St.Gallen.
Deine Reifen sind die einzige Verbindung zur Strasse. Ihr Zustand, ihr Profil und der richtige Reifendruck sind für einen kurzen Bremsweg Motorrad unerlässlich. Abgefahrene Reifen oder solche mit zu wenig Luftdruck bieten deutlich weniger Grip, was den Bremsweg verlängert und die Stabilität beim Bremsen reduziert. Achte deshalb immer auf intakte Reifen mit ausreichend Profil und dem vom Hersteller empfohlenen Reifendruck.
Ob trockener Asphalt, nasser Belag, Schotter oder gar Eis – der Untergrund hat einen enormen Einfluss auf die Haftung und somit auf den Bremsweg. Auf nasser Fahrbahn kann sich der Bremsweg verdoppeln oder sogar verdreifachen. Bei Schnee und Eis sind die Verhältnisse noch extremer. Passe deine Geschwindigkeit und deinen Fahrstil immer den Strassenverhältnissen an. Besonders in St.Gallen und Umgebung, wo sich die Wetterbedingungen schnell ändern können, ist das wichtig.
Ein schwereres Motorrad oder ein Motorrad mit Sozius und viel Gepäck benötigt mehr Energie, um zum Stillstand zu kommen. Das zusätzliche Gewicht erhöht die Trägheit und kann den Bremsweg leicht verlängern. Berücksichtige dies, wenn du mit Beifahrer oder auf Reisen unterwegs bist.
Antiblockiersysteme (ABS) sind heute bei vielen Motorrädern Standard und ein echter Game-Changer für die Fahrsicherheit. ABS verhindert, dass die Räder bei einer Vollbremsung blockieren, indem es den Bremsdruck gezielt regelt. Das ermöglicht dir, auch bei einer Notbremsung die volle Bremsleistung abzurufen und gleichzeitig lenkbar zu bleiben. Studien zeigen, dass ABS den Bremsweg, besonders auf rutschigem Untergrund, deutlich verkürzen kann und die Unfallgefahr reduziert. Ich empfehle jedem, ein Motorrad mit ABS zu wählen, wenn die Möglichkeit besteht.
Um den Bremsweg Motorrad wirklich zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die zugrundeliegende Physik. Die kinetische Energie, die dein Motorrad bei einer bestimmten Geschwindigkeit besitzt, muss beim Bremsen vollständig in Wärme umgewandelt werden. Die Formel für die kinetische Energie lautet E_kin = 0.5 m v^2, wobei m die Masse und v die Geschwindigkeit ist. Daraus wird ersichtlich, warum die Geschwindigkeit einen so grossen Einfluss hat: Sie geht quadratisch in die Energieberechnung ein.
Die Bremskraft F_B, die deine Bremsen aufbringen können, hängt vom Reibwert µ (Mü) zwischen Reifen und Fahrbahn sowie der Normalkraft F_N ab. F_B = µ * F_N. Auf trockener Fahrbahn kann der Reibwert bei guten Reifen über 0,8 liegen, auf nasser Fahrbahn aber schnell auf 0,4 oder weniger sinken. Die Bremskraft muss ausreichen, um die kinetische Energie innerhalb des Bremswegs abzubauen. Eine vereinfachte Formel für den Bremsweg, die man oft hört, ist (v/10)^2 * 0,5 (für trockene Fahrbahn, gute Bremsen). Diese Formel ist aber eher eine Faustregel und berücksichtigt nicht alle Details wie Reibwerte oder Schräglage.
Die beste Bremstechnik ist jene, die dich schnell und sicher zum Stehen bringt, ohne die Kontrolle zu verlieren. Hier sind die wichtigsten Punkte, die ich dir in meinen Motorrad-Fahrstunden in St.Gallen beibringe:
Nutze immer beide Bremsen gleichzeitig. Die Vorderradbremse liefert den Grossteil der Bremsleistung, aber die Hinterradbremse stabilisiert das Motorrad und hilft, das Blockieren des Vorderrads zu verhindern. Beginne sanft und erhöhe den Druck auf beide Bremsen progressiv, bis du die maximale Bremsleistung erreichst, kurz bevor ein Rad blockiert.
Schau dorthin, wo du hinwillst – auch beim Bremsen. Fixiere nicht das Hindernis, sondern den möglichen Fluchtweg oder den Punkt, an dem du zum Stehen kommen möchtest. Das hilft dir, die Balance zu halten und gegebenenfalls noch auszuweichen. Lies mehr dazu in meinem Artikel Blickführung Motorrad: So meisterst du jede Kurve sicher.
Verlager deinen Oberkörper beim Bremsen leicht nach hinten und stütz dich mit den Beinen am Tank ab. Das entlastet die Arme, die für Lenkimpulse frei bleiben sollten, und verhindert, dass du beim Bremsen über den Lenker rutschst.
Die Notbremsung ist eine Ausnahmesituation, die du regelmässig üben solltest. Auf einem abgesperrten Platz kannst du gefahrlos trainieren, wie sich dein Motorrad bei einer Vollbremsung verhält. Ziel ist es, in einer Schrecksekunde intuitiv richtig zu reagieren. Die Erfahrung zeigt, dass Fahrer mit geübter Notbremsung deutlich sicherer unterwegs sind.
Theorie ist gut, Praxis ist besser. Das gilt besonders für den Bremsweg Motorrad. Ich kann dir alle Formeln und Techniken erklären, aber das Gefühl für dein Motorrad und seine Bremsen entwickelst du nur durch regelmässiges Training. Hier sind ein paar Tipps für die Praxis:
Denke daran: Dein Motorrad reagiert anders als ein Auto. Der Bremsweg Motorrad ist oft kürzer, wenn du die Technik beherrschst, aber auch kritischer, wenn du Fehler machst. Deshalb ist es so wichtig, diese Fertigkeit zu perfektionieren.
Die Geschichte des Bremswegs Motorrad ist eng mit der Entwicklung der Bremsentechnologie verbunden. Frühe Motorräder im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verfügten oft nur über einfache Klotzbremsen, die direkt auf den Reifen wirkten, oder über primitive Bandbremsen. Der Bremsweg war dementsprechend lang und die Verzögerung gering. Dies führte dazu, dass die Fahrweise sehr vorausschauend sein musste und hohe Geschwindigkeiten extrem gefährlich waren.
Mit dem Aufkommen der Trommelbremse in den 1920er-Jahren verbesserte sich die Bremsleistung erheblich. Trommelbremsen boten eine geschlossene Einheit, die besser vor Schmutz und Wasser geschützt war, aber unter Hitzentwicklung leiden und bei Nässe an Wirkung verlieren konnte. Sie waren über Jahrzehnte der Standard bei Motorrädern.
Ein echter Meilenstein war die Einführung der Scheibenbremse in den 1960er- und 1970er-Jahren. Besonders die japanischen Hersteller wie Honda trieben diese Entwicklung voran. Scheibenbremsen bieten eine deutlich höhere und konstantere Bremsleistung, sind hitzebeständiger und lassen sich feiner dosieren. Sie wurden schnell zum Standard und sind es bis heute geblieben.
Die jüngste und vielleicht revolutionärste Entwicklung ist das Antiblockiersystem (ABS), das in den 1980er-Jahren erstmals bei Motorrädern auftauchte (z.B. bei BMW) und sich seit den 2000er-Jahren immer stärker durchgesetzt hat. Seit 2016 ist ABS in der EU und somit auch in der Schweiz für alle neuen Motorräder über 125 cm³ Hubraum und 11 kW Leistung Pflicht. Dies hat die Fahrsicherheit und die Möglichkeiten, den Bremsweg Motorrad optimal zu nutzen, drastisch verbessert. Die Forschung und Entwicklung im Bereich der Motorradbremsen geht weiter, mit Systemen wie Kurven-ABS, das auch in Schräglage ein Blockieren verhindert, und integrierten Bremssystemen, die Vorder- und Hinterradbremse automatisch aufeinander abstimmen. Diese Fortschritte tragen massgeblich dazu bei, dass der Bremsweg Motorrad heute sicherer und kontrollierbarer denn je ist.
Auf trockener Fahrbahn mit guten Bremsen und Reifen beträgt der Bremsweg Motorrad bei 50 km/h etwa 12 bis 15 Meter. Bei nasser Fahrbahn kann er sich schnell auf 25 bis 30 Meter oder mehr verlängern. Diese Werte sind Schätzungen und hängen stark von den individuellen Faktoren ab.
Ja, die Notbremsung ist ein Pflichtbestandteil der praktischen Motorradprüfung in der Schweiz. Du musst zeigen, dass du dein Motorrad in einer Gefahrensituation schnell und kontrolliert zum Stillstand bringen kannst. Regelmässiges Üben ist hierfür unerlässlich, um die häufigsten Patzer bei der Motorradprüfung zu vermeiden.
ABS verkürzt den Bremsweg Motorrad in den meisten Situationen, insbesondere auf rutschigem Untergrund wie nassem Asphalt, Schotter oder Kopfsteinpflaster, da es ein Blockieren der Räder verhindert und die maximale Verzögerung ohne Kontrollverlust ermöglicht. Auf absolut trockenem, griffigem Asphalt kann ein erfahrener Fahrer ohne ABS unter Umständen einen minimal kürzeren Bremsweg erreichen, da er die Bremse noch feiner dosieren kann. Für die grosse Mehrheit der Fahrer und Situationen ist ABS jedoch ein klarer Sicherheitsgewinn und führt zu kürzeren Bremswegen.
Wenn du nur mit der Hinterradbremse bremst, wird dein Motorrad nur sehr langsam verzögert und das Hinterrad kann leicht blockieren. Dies führt zu einem instabilen Fahrzustand und einem deutlich längeren Bremsweg. Die Vorderradbremse ist für den Grossteil der Bremsleistung verantwortlich und sollte immer primär, aber dosiert eingesetzt werden.
Ich empfehle dir, deine Bremsanlage regelmässig im Rahmen der Serviceintervalle deines Motorrads von einer Fachperson prüfen zu lassen. Zwischen den Serviceintervallen solltest du selbst auf den Zustand der Bremsbeläge, den Füllstand der Bremsflüssigkeit und eventuelle Undichtigkeiten achten. Eine gut gewartete Bremsanlage ist entscheidend für einen sicheren Bremsweg Motorrad.
Quellen & weiterführende Informationen: Google Unternehmensprofil · IHK