Helm abnehmen Unfall: Was tun bei Motorradunfall? Dein Guide (16.08.2026)
Beim Motorradunfall den Helm abnehmen? Ich erkläre dir als Fahrlehrer, wann du handeln musst und wann nicht. Dein …
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Gruppenfahren Motorrad ist ein ganz besonderes Erlebnis, das den Fahrspass mit der Geselligkeit verbindet. Die gemeinsame Tour durch die Ostschweiz oder über Schweizer Pässe schafft unvergessliche Momente. Damit aber alle sicher ankommen und die Tour geniessen können, braucht es klare Regeln, gute Kommunikation und ein Verständnis für die Dynamik der Gruppe. Als Fahrlehrer erlebe ich immer wieder, wie wichtig eine gute Vorbereitung dafür ist.
Eine gemeinsame Motorradtour ist mehr als nur das Aneinanderreihen von Kilometern; es ist ein gemeinsames Abenteuer. Du teilst Erlebnisse, geniesst die Landschaft und hast immer jemanden dabei, falls mal ein Problem auftaucht. Die Gruppendynamik kann aber auch Herausforderungen mit sich bringen. Unterschiedliche Fahrstile, Erfahrungslevel und Erwartungen müssen unter einen Hut gebracht werden. Deshalb ist es so wichtig, dass alle Beteiligten die Grundregeln kennen und einhalten.
Damit das Gruppenfahren Motorrad reibungslos funktioniert, haben sich über die Jahre feste Rollen etabliert. Diese Aufteilung sorgt für Struktur und Sicherheit und entlastet den einzelnen Fahrer. Auch wenn ihr nur zu dritt unterwegs seid, macht es Sinn, diese Rollen zu verteteilen.
Der Tourguide ist der Kopf der Gruppe. Er oder sie plant die Route, kennt die Strecke und gibt das Tempo vor. Der Guide muss vorausschauend fahren, auf die Gruppe achten und klare Signale geben. Er entscheidet auch, wann Pausen gemacht werden oder ob eine Route geändert werden muss. Idealerweise ist der Tourguide der erfahrenste Fahrer der Gruppe und kennt sich in der Region gut aus, zum Beispiel in den Hügeln rund um St.Gallen oder auf den Passstrassen der Alpen.
Der Schlussfahrer ist das Gegenstück zum Tourguide. Er fährt immer als Letzter und hat die Aufgabe, die Gruppe zusammenzuhalten. Er achtet darauf, dass niemand verloren geht oder zurückbleibt und ist der erste Ansprechpartner bei Pannen oder Stürzen. Der Schlussfahrer sollte ebenfalls erfahren sein und idealerweise Erste-Hilfe-Kenntnisse haben. Bei grösseren Gruppen kann es auch einen oder mehrere „Blocker“ geben, die Kreuzungen absichern, bis die ganze Gruppe durch ist.
Die Fahrer dazwischen haben die Aufgabe, die Signale des Tourguides weiterzugeben und auf ihren Vordermann und Hintermann zu achten. Jeder ist für den, der hinter ihm fährt, mitverantwortlich. Wenn du merkst, dass dein Hintermann den Anschluss verliert, gib ein Zeichen oder reduziere leicht das Tempo, damit die Gruppe nicht auseinanderreisst.
Da das Sprechen während der Fahrt schwierig ist, sind standardisierte Handzeichen beim Gruppenfahren Motorrad unverzichtbar. Sie ermöglichen es, wichtige Informationen wie Richtungswechsel, Hindernisse oder das Anhalten schnell und eindeutig zu übermitteln. Es ist absolut entscheidend, dass alle diese Zeichen vor der Abfahrt besprechen und üben.
Hier sind die wichtigsten Handzeichen, die sich in der Praxis bewährt haben:
| Handzeichen | Bedeutung | Ausführung |
|---|---|---|
| Rechts abbiegen | Die Gruppe biegt rechts ab. | Rechten Arm ausstrecken. |
| Links abbiegen | Die Gruppe biegt links ab. | Linken Arm ausstrecken. |
| Anhalten | Die Gruppe hält an. | Linken Arm nach unten strecken, Handfläche nach hinten. |
| Verlangsamen | Tempo reduzieren. | Linken Arm nach unten strecken und auf- und abwinken. |
| Gefahr/Hindernis | Achtung, Gefahr auf der Fahrbahn. | Arme über dem Kopf kreuzen (für grosse Gefahr) oder auf das Hindernis zeigen. |
| Versetzt fahren | Position in der Gruppe versetzen. | Linken Arm nach oben strecken, Zeigefinger nach oben. |
| Sammeln | Die Gruppe soll enger zusammenfahren. | Linken Arm nach oben strecken, Faust ballen. |
| Tankstopp | Wir brauchen einen Tankstopp. | Linken Arm nach unten strecken, Daumen nach oben. |
Wichtig ist, dass jedes Zeichen vom Vordermann an den Hintermann weitergegeben wird, bis es beim Schlussfahrer angekommen ist. So ist sichergestellt, dass jeder in der Gruppe die Information erhält.
Die Fahrordnung ist entscheidend für die Sicherheit und den Fluss der Gruppe. Die gängigste und sicherste Methode ist das versetzte Fahren. Dabei fährt der Vordermann am linken Fahrbahnrand seines Fahrstreifens und der Hintermann am rechten. Der nächste Fahrer ist wieder links versetzt, und so weiter. Dies schafft einen grösseren Sicherheitsabstand und ermöglicht eine bessere Sicht für alle.
Halte stets genügend Abstand zum Vordermann, mindestens zwei Sekunden Fahrzeit. Dieser Abstand vergrössert sich bei höheren Geschwindigkeiten oder schlechten Strassenverhältnissen. So hast du genügend Zeit, um auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren, ohne deinen Vordermann zu gefährden.
Beim Überholen solltest du immer als Einzelner überholen und erst wieder in die Gruppe einfahren, wenn der Überholvorgang vollständig abgeschlossen ist und du wieder genügend Sicherheitsabstand zum überholten Fahrzeug und zum nächsten Gruppenmitglied hast. Bleib dabei stets konzentriert und nutze deine Blickführung optimal.
Eine gute Vorbereitung beginnt schon vor der eigentlichen Tour. Besprecht die Route, die geplanten Pausen, die ungefähre Dauer und eventuelle Besonderheiten der Strecke. Klärt, wer der Tourguide und wer der Schlussfahrer ist. Jeder sollte wissen, was zu tun ist, wenn die Gruppe auseinanderreisst oder jemand eine Panne hat. Prüft auch, ob alle Motorräder technisch in Ordnung sind und genügend Treibstoff im Tank ist. Ein kurzer Check von Reifen, Bremsen und Licht kann viel Ärger ersparen.
Während der Fahrt gilt: Regelmässige Pausen sind wichtig. Sie ermöglichen es allen, sich zu erholen, etwas zu trinken und sich auszutauschen. So bleiben alle konzentriert und der Fahrspass ist garantiert. Achte auch auf deine eigene körperliche Verfassung. Müdigkeit und Unaufmerksamkeit sind die grössten Feinde auf dem Motorrad.
Denk daran, dass du als Motorradfahrer in der Schweiz auch bei Nässe sicher unterwegs sein musst. Lies dazu auch unseren Guide zum Motorradfahren bei Nässe. Und für den Notfall solltest du wissen, wie man eine Notbremsung richtig einleitet.
Die beste Position hängt von deiner Erfahrung und deinen Vorlieben ab. Als Anfänger fährst du oft am besten in der Mitte der Gruppe, wo du die anderen beobachten und dich anpassen kannst. Erfahrenere Fahrer können als Tourguide oder Schlussfahrer fungieren. Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst und dich sicher bewegen kannst.
Wenn du den Anschluss verlierst, bleibe ruhig. Fahre sicher weiter und versuche, die Gruppe wieder einzuholen. Der Schlussfahrer sollte merken, dass du fehlst, und die Gruppe informieren. Vermeide riskante Manöver, um aufzuschliessen. Wenn ihr vorher einen Treffpunkt für solche Fälle ausgemacht habt, fahre dorthin.
In der Schweiz gelten für Motorradgruppen dieselben Verkehrsregeln wie für Einzelfahrer. Es gibt keine speziellen Privilegien oder Ausnahmen. Das heisst, jede Person muss sich an die Geschwindigkeit, die Abstände und die Verkehrszeichen halten. Das versetzte Fahren ist eine Empfehlung zur Erhöhung der Sicherheit, aber keine gesetzliche Vorschrift. Du kannst die allgemeinen Regeln zum Strassenverkehrsgesetz auf der Webseite des Bundesamts für Strassen (ASTRA) nachlesen.
Vor der Tour solltet ihr besprechen, welches Tempo und welcher Fahrstil für die Gruppe angemessen sind. Der Tourguide sollte das Tempo an den langsamsten Fahrer anpassen. Wenn es grosse Unterschiede gibt, kann es sinnvoll sein, die Gruppe in kleinere, homogenere Untergruppen aufzuteilen oder eine Route zu wählen, die für alle machbar ist. Das Wichtigste ist, dass niemand überfordert wird.
Neben der üblichen Schutzkleidung ist ein Kommunikationssystem im Helm sehr praktisch für das Gruppenfahren Motorrad. Damit können Tourguide und Schlussfahrer direkt miteinander sprechen und wichtige Infos austauschen. Auch ein Erste-Hilfe-Set und ein kleines Reparaturkit sind immer eine gute Idee. Denk auch an eine Warnweste, falls du bei einer Panne am Strassenrand stehen musst.
Das Reissverschluss-Prinzip wird angewendet, wenn die Gruppe nach einem Halt, zum Beispiel an einer Ampel oder einer Kreuzung, wieder anfahren muss und die versetzte Fahrordnung verloren gegangen ist. Dabei fädelt sich abwechselnd ein Fahrer von links und ein Fahrer von rechts in die ideale versetzte Position ein, ähnlich wie die Zähne eines Reissverschlusses. Das sorgt für einen geordneten und sicheren Wiedereinstieg in die Gruppenformation.
Quellen & weiterführende Informationen: Google Unternehmensprofil