Zweimal durchgefallen: So klappt der 3. Prüfungsversuch
Bist du bei der Autoprüfung zweimal durchgefallen? Kein Grund zur Panik. Erfahre, wie der Ablauf in St.Gallen ist …
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Ein guter Begleiter beim Üben ist auf dem Weg zum Führerausweis absolut unbezahlbar. In der Schweiz hast du den grossen Vorteil, dass du mit dem Lernfahrausweis privat fahren darfst, um Routine zu sammeln. Doch nicht jeder, der einen Führerausweis besitzt, ist automatisch ein guter Fahrlehrer für den Beifahrersitz. Wer die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, wie ihr Streit im Auto vermeidet und ab wann private Lernfahrten wirklich Sinn machen, erkläre ich dir hier aus meiner täglichen Praxis als Fahrlehrer.
Die Begleitperson muss zwingend mindestens 23 Jahre alt sein und den entsprechenden Führerausweis seit mindestens drei Jahren besitzen. Ausserdem darf sich der Ausweis nicht mehr auf Probe befinden. Diese gesetzlichen Vorgaben gelten in der ganzen Schweiz einheitlich und werden bei Verkehrskontrollen durch die Polizei streng geprüft.
Neben dem Alter und dem Ausweisbesitz gibt es weitere Vorgaben, die oft vergessen gehen. Wer dich begleitet, muss fahrtauglich sein. Das bedeutet: Die Alkoholgrenze liegt wie bei dir als Neulenker bei 0,1 Promille (faktisch also null), und der Konsum von Drogen ist absolut tabu. Die Begleitperson gilt rechtlich als Fahrzeugführer und trägt die Verantwortung für die Fahrt. Wenn ihr kontrolliert werdet und dein Beifahrer alkoholisiert ist, hat das für euch beide massive Konsequenzen. Informiere dich bei Unsicherheiten immer direkt auf offiziellen Seiten wie ch.ch zu den Regeln für Lernfahrten.
Zudem ist das blaue L-Schild Pflicht. Es muss gut sichtbar am Heck des Fahrzeugs angebracht sein, solange du fährst. Sobald eine Person mit regulärem Führerausweis das Steuer übernimmt, muss das Schild zwingend wieder entfernt oder abgedeckt werden. Das Fahren mit L-Schild ohne Lernfahrer am Steuer ist in der Schweiz verboten und kann gebüsst werden.
Beginne mit privaten Fahrten erst, wenn du das Auto technisch im Griff hast. Das ist meist nach fünf bis zehn professionellen Fahrstunden der Fall. Wenn du ohne Stress anfahren, schalten und bremsen kannst, bist du bereit für den privaten Übungsverkehr.
Viele machen den Fehler und setzen sich direkt am Tag nach Erhalt des Lernfahrausweises mit den Eltern ins Auto. Das endet in 90 Prozent der Fälle in Tränen, abgewürgten Motoren und einem massiven Vertrauensverlust. Als Fahrlehrer habe ich Doppelpedale und kann jederzeit sanft eingreifen, wenn du die Kupplung zu schnell kommen lässt oder den Abstand falsch einschätzt. Dein privater Beifahrer hat diese Pedale nicht. Er kann nur verbal reagieren – und das passiert oft laut und panisch.
Ich empfehle meinen Fahrschülern immer: Wir erarbeiten die Basis zusammen. Sobald die Automatismen sitzen und du den Blick von den Pedalen auf die Strasse richten kannst, gebe ich grünes Licht für das private Üben. Dann könnt ihr euch auf das Sammeln von Kilometern konzentrieren. Wenn du wissen willst, wie dieser Übergang optimal gelingt, lies dir meinen Ratgeber vom Lernfahrausweis zur ersten Solofahrt durch.
Das Fahrzeug muss so beschaffen sein, dass die Begleitperson jederzeit problemlos die Handbremse erreichen und betätigen kann. Bei herkömmlichen mechanischen Handbremsen in der Mittelkonsole ist das kein Problem, bei elektronischen Parkbremsen gibt es jedoch klare Einschränkungen.
Ein Auto mit elektronischer Handbremse darf nur für Lernfahrten genutzt werden, wenn die Bremse auch während der Fahrt vom Beifahrersitz aus bedient werden kann und abgestuft wirkt (also nicht sofort eine Vollbremsung auslöst, sondern das Auto kontrolliert abbremst). Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) hat hier klare Richtlinien. Testet das unbedingt auf einem leeren Platz bei Schrittgeschwindigkeit aus, bevor ihr in den Strassenverkehr startet. Wenn die elektronische Bremse nur blockiert oder vom Beifahrer nicht erreicht werden kann, dürft ihr dieses Auto nicht für Lernfahrten nutzen.
Dasselbe gilt für Autos mit Fussstellbremse (oft bei älteren Mercedes-Modellen). Da der Beifahrer hier nicht eingreifen kann, sind solche Fahrzeuge für Lernfahrten unzulässig, es sei denn, die Handbremse wurde speziell umgebaut.
Ein Begleiter beim Üben ist nicht einfach nur ein Passagier, sondern rechtlich für die Sicherheit mitverantwortlich. Er muss die Verkehrssituation ständig überwachen, vorausschauend mitdenken und im Notfall jederzeit in das Fahrgeschehen eingreifen können.
Das bedeutet absolute Aufmerksamkeit. Wer als Beifahrer am Handy tippt, aus dem Fenster träumt oder sich intensiv mit den Passagieren auf der Rückbank unterhält, vernachlässigt seine Pflichten. Die Begleitperson muss den Verkehr weiter im Voraus lesen als du. Wenn sich vorne ein Stau bildet oder ein Fussgänger auf den Zebrastreifen zugeht, muss der Beifahrer erkennen, ob du die Situation bereits erfasst hast. Ist das nicht der Fall, muss er rechtzeitig – und vor allem ruhig – darauf hinweisen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Streckenwahl. Am Anfang solltet ihr in St.Gallen ruhige Quartiere wie Bruggen oder Winkeln wählen, wo der Verkehr überschaubar ist. Später, wenn die Routine steigt, könnt ihr euch an komplexere Situationen wie den Autobahnanschluss Kreuzbleiche oder den dichten Stadtverkehr wagen. Die Begleitperson sollte die Route kennen und die Navigation übernehmen, damit du dich zu 100 Prozent auf das Fahren konzentrieren kannst.
Die häufigsten Konflikte entstehen durch unklare Anweisungen und eine zu hohe Erwartungshaltung der Begleitperson. Wenn der Beifahrer plötzlich «Achtung!» ruft, ohne zu sagen, was das Problem ist, führt das unweigerlich zu Panik und Fehlreaktionen am Lenkrad.
Kommunikation ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Lernfahrt. Ein einfaches «Da vorne musst du aufpassen» hilft dir als Fahrschüler nicht weiter. Besser ist: «An der nächsten Kreuzung haben wir Rechtsvortritt, geh bitte vom Gas und schau frühzeitig nach rechts.» Solche klaren, handlungsorientierten Anweisungen geben dir Sicherheit.
Ebenso wichtig: Fehler werden nicht während der Fahrt ausdiskutiert. Wenn du den Motor abwürgst oder einen Schulterblick vergisst, ist das kein Drama. Die Begleitperson sollte sich die Situation merken und ihr besprecht es in Ruhe, wenn das Auto steht. Ständige Kritik während der Fahrt führt zu einer Reizüberflutung. Wenn du merkst, dass sich Fehler häufen, schau dir an, was die typischen Gründe fürs Durchfallen bei der Prüfung sind, und arbeite in der nächsten professionellen Fahrstunde gezielt daran.
Viele fragen sich, wie das Verhältnis zwischen Fahrstunden und privaten Fahrten aussehen sollte. Die Antwort ist einfach: Die Fahrschule baut das Fundament, die private Fahrt sorgt für die nötige Routine und Automatisierung.
| Aspekt | Fahrschule (Fahrlehrer) | Private Übungsfahrt |
|---|---|---|
| Zielsetzung | Neues lernen, Fehler korrigieren, Prüfungsvorbereitung | Routine sammeln, Sicherheit gewinnen, Automatismen festigen |
| Sicherheit | Doppelpedale für sofortigen Eingriff | Nur Handbremse als Notanker |
| Stresslevel | Professionell, sachlich, pädagogisch geschult | Oft emotionaler, erfordert klare Absprachen |
| Kosten | CHF 85.– pro Lektion (Investition in Technik) | Nur Treibstoff (spart langfristig Geld durch Routine) |
Um dein Budget optimal zu planen, empfehle ich dir, einen Blick auf die gesamten Kosten für den Führerausweis in St.Gallen zu werfen. Jeder privat gefahrene Kilometer hilft dir, in der Prüfung sicherer zu sein und letztlich weniger Fahrstunden zu benötigen.
Die Möglichkeit, mit einem privaten Beifahrer Erfahrungen zu sammeln, hat in der Schweiz eine lange und stolze Tradition. Das bekannte blaue L-Schild wurde bereits in den 1930er Jahren eingeführt, um andere Verkehrsteilnehmer zu warnen und mehr Rücksichtnahme für Fahranfänger zu erwirken.
Während in Nachbarländern wie Deutschland private Lernfahrten auf öffentlichen Strassen bis heute streng verboten sind und alles über die Fahrschule laufen muss, vertraut das Schweizer System auf die Eigenverantwortung der Bürger. Dieses System hat sich bewährt, denn es ermöglicht Fahrschülern, teilweise 1’000 bis 3’000 Kilometer Fahrpraxis zu sammeln, bevor sie überhaupt an die Prüfung gehen. Diese enorme Routine ist ein wesentlicher Grund für die hohe Verkehrssicherheit auf Schweizer Strassen. Heute, bei einem viel dichteren Strassennetz und komplexeren Verkehrsregeln, ist diese Übungszeit wertvoller als je zuvor.
Bei einem Unfall während der Lernfahrt zahlt grundsätzlich die Haftpflichtversicherung des Fahrzeughalters. Es ist jedoch essenziell, dass die Versicherung vorab über die Lernfahrten informiert wird, da sonst Regressforderungen oder Selbstbehalte anfallen können.
Viele Versicherungen schliessen Lernfahrten standardmässig ein, aber ein kurzer Anruf beim Berater schafft Klarheit. Besonders bei der Vollkaskoversicherung solltet ihr prüfen, wie hoch der Selbstbehalt für Junglenker ist. Oftmals liegt dieser bei 1’000 Franken oder höher. Es gibt spezielle Zusatzversicherungen für Lernfahrten, die diesen Selbstbehalt abdecken. Das schont nicht nur das Portemonnaie bei einem Kratzer, sondern auch die Nerven der Begleitperson.
Wenn die Zeit der Prüfung näher rückt und ihr hunderte Kilometer unfallfrei absolviert habt, geht es an den Feinschliff. Wie ihr die privaten Fahrten dann am besten mit der Fahrschule abstimmt, liest du in meinem Beitrag über die perfekten letzten Fahrstunden vor der Prüfung.
Ja, du bist nicht auf eine einzelne Person festgelegt. Du darfst mit jedem üben, der die gesetzlichen Voraussetzungen (mindestens 23 Jahre alt, drei Jahre ausserhalb der Probezeit im Besitz des Ausweises) erfüllt. Es kann sogar sehr lehrreich sein, mit verschiedenen Personen zu fahren, da jeder einen anderen Fahrstil und andere Tipps mitbringt.
Nein, der Schweizer Lernfahrausweis ist grundsätzlich nur in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein gültig. Private Übungsfahrten im nahen Ausland wie Deutschland oder Österreich sind illegal und werden als Fahren ohne gültigen Führerausweis hart bestraft.
Das L-Schild darf nur am Fahrzeug angebracht sein, wenn tatsächlich eine Lernfahrt stattfindet. Sobald die Begleitperson das Steuer übernimmt oder das Auto von jemandem mit regulärem Führerausweis gefahren wird, muss das Schild entfernt oder abgedeckt werden.
Seit 2021 darfst du die Prüfung auf einem Automatikfahrzeug ablegen und erhältst dennoch keine Beschränkung im Ausweis – du darfst danach also auch handgeschaltete Autos fahren. Für das private Üben bedeutet das: Du kannst problemlos das Familienauto mit Automatik nutzen, um Verkehrsroutine zu sammeln, auch wenn du in der Fahrschule ab und zu Handschaltung lernst.
Absolut nicht. Für die Begleitperson gilt dieselbe strenge Grenze wie für den Lernfahrer, nämlich 0,1 Promille. Da die Begleitperson rechtlich als Fahrzeugführer gilt, muss sie jederzeit voll fahrtauglich sein. Ein Feierabendbier vor der Übungsfahrt ist also strengstens verboten.