Erste-Hilfe-Mythen: 8 Irrtümer, die im Notfall gefährlich sind
Erste-Hilfe-Mythen können am Unfallort wertvolle Zeit kosten. Ich zeige dir, warum du den Helm abnehmen musst und welche …
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Als Ersthelfer am Unfallort zu stehen, ist für die meisten Autofahrer eine absolute Stresssituation, doch genau in diesen ersten Minuten entscheidest du oft über Leben und Tod. In meinen Fahrstunden in St.Gallen betone ich immer wieder: Der einzige echte Fehler, den du machen kannst, ist, gar nichts zu tun. Wenn du weisst, wie du die Unfallstelle absicherst und die Rettungskräfte alarmierst, hast du bereits die wichtigste Aufgabe erfüllt, bevor die Profis eintreffen. Ich zeige dir genau, wie du Schritt für Schritt vorgehst, ohne dich selbst in Gefahr zu bringen, und warum ein kühler Kopf deine beste Ausrüstung ist.
Wenn du als Ersthelfer an einen Unfallort kommst, gilt das Prinzip: Schauen, Denken, Handeln. Verschaffe dir zuerst einen Überblick, ohne dich selbst in Gefahr zu bringen. Schalte die Warnblinkanlage ein, ziehe deine Warnweste an und sichere die Stelle mit dem Pannendreieck ab. Erst danach alarmierst du die Rettungskräfte und kümmerst dich um die Verletzten.
In der Realität sieht das oft chaotischer aus. Das Adrenalin schiesst in den Körper, du bekommst einen Tunnelblick und die Hände beginnen zu zittern. Das ist eine völlig normale körperliche Reaktion auf eine extreme Stresssituation. Genau deshalb drillen wir im Nothelferkurs standardisierte Abläufe. Wenn das Gehirn im Notfall blockiert, übernimmt das antrainierte Muster. Bevor du panisch aus dem Auto springst, atme einmal tief durch. Dieser eine Atemzug reicht oft schon, um den Tunnelblick zu durchbrechen. Nimm dir zwei Sekunden Zeit, um die Situation aus dem Auto heraus zu scannen: Brennt etwas? Wo genau stehen die Fahrzeuge? Gibt es fliessenden Verkehr, der mich gefährdet? Deine eigene Sicherheit hat absolute Priorität. Ein verletzter Ersthelfer hilft niemandem und bindet nur zusätzliche Rettungskräfte.
Das Pannendreieck muss innerorts mindestens 50 Meter und auf schnellen Strassen wie der Autobahn mindestens 100 Meter vor der Unfallstelle stehen. Trage dabei immer deine Warnweste und bewege dich auf der Autobahn zwingend hinter der Leitplanke dem Verkehr entgegen. Schalte zudem sofort die Pannenblinkanlage deines Autos ein.
Die Absicherung der Unfallstelle ist der kritischste Moment für dich als Helfer. Viele unterschätzen die Geschwindigkeit des herannahenden Verkehrs. Wenn du das Pannendreieck aufstellst, halte es gut sichtbar vor deiner Brust, während du dem Verkehr entgegengehst. So wirst du von anderen Fahrern viel früher als Hindernis wahrgenommen. Auf der Autobahn oder auf unübersichtlichen Landstrassen platzierst du das Dreieck am besten vor einer Kurve oder einer Kuppe, niemals erst dahinter. Wenn du mehr darüber wissen willst, lies dir meinen detaillierten Ratgeber durch, wie du das Pannendreieck und die Warnweste richtig nutzt, um eine Unfallstelle abzusichern. Hier ist eine einfache Übersicht der vorgeschriebenen Abstände in der Schweiz:
| Strassenart | Mindestabstand Pannendreieck | Besonderheit |
|---|---|---|
| Innerorts (Stadt/Dorf) | 50 Meter | Bei unübersichtlichen Kreuzungen entsprechend anpassen |
| Ausserorts (Landstrasse) | 50 bis 100 Meter | Vor Kurven oder Kuppen aufstellen |
| Autobahn / Autostrasse | Mindestens 100 Meter | Immer hinter der Leitplanke bewegen, Pannenstreifen meiden |
Die Rettungskette besteht aus Nothilfe, Alarmierung, Erster Hilfe, Transport und Spitalpflege. Deine Aufgabe als Ersthelfer umfasst die ersten drei Glieder. Sobald du die Nummer 144 für die Sanität oder 112 als allgemeinen Notruf gewählt hast, hast du den wichtigsten Schritt zur professionellen Rettung bereits eingeleitet.
Die Alarmierung ist das Herzstück deiner Hilfeleistung. Wenn du die 144 wählst, meldet sich die kantonale Notrufzentrale – in unserer Region also meist St.Gallen. Die Disponenten am Telefon sind speziell geschult und führen dich durch das Gespräch. Du musst keinen perfekten Bericht abliefern. Wichtig ist nur, dass du die W-Fragen im Kopf hast: Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Verletzte gibt es? Welche Art von Verletzungen siehst du? Lege niemals als Erster auf, sondern warte, bis die Notrufzentrale das Gespräch beendet. Die Profis am Telefon bleiben oft in der Leitung und geben dir genaue Anweisungen, was du bis zum Eintreffen der Ambulanz tun sollst. Wenn du dich optimal auf solche Situationen vorbereiten willst, empfehle ich dir, deinen Nothelferkurs rechtzeitig zu planen und online zu buchen.
Zu den wichtigsten Sofortmassnahmen gehören die Seitenlage bei Bewusstlosigkeit, die Herzdruckmassage bei einem Herzstillstand und das Stoppen von starken Blutungen. Bevor du handelst, sprichst du die Person laut an und prüfst die Atmung, um zu entscheiden, welche Massnahme nötig ist.
Wenn eine Person bewusstlos ist, aber normal atmet, bringst du sie in die stabile Seitenlage. Das verhindert, dass die Zunge zurückfällt und die Atemwege blockiert oder Erbrochenes eingeatmet wird. Atmet die Person nicht mehr normal, musst du sofort mit der Herzdruckmassage (BLS – Basic Life Support) beginnen. Der Rhythmus lautet 30 Herzdruckmassagen, gefolgt von 2 Beatmungen. Drücke dabei kräftig und schnell in die Mitte des Brustkorbs – etwa 100 bis 120 Mal pro Minute. Wenn ein Defibrillator (AED) in der Nähe ist, lass ihn von einer anderen Person holen. Das Gerät spricht mit dir und erklärt jeden Schritt. Bei starken Blutungen legst du einen Druckverband an oder drückst mit sauberen Tüchern direkt auf die Wunde. Falls du an eine Unfallstelle mit mehreren Betroffenen kommst, musst du Prioritäten setzen. Wer laut schreit, atmet zumindest. Wer still und reglos liegt, braucht sofortige Aufmerksamkeit. Details dazu findest du in meinem Beitrag darüber, was bei Mehrfachverletzten zu tun ist. Auch bei spezifischen Verletzungen wie einem Knochenbruch musst du wissen, wie du diesen erkennst und ruhigstellst. Fundierte Informationen zu allen Erste-Hilfe-Techniken bietet auch der Schweizerische Samariterbund, der die Nothelferkurse massgeblich prägt.
Der Nothelferkurs ist in der Schweiz seit 1977 eine zwingende Voraussetzung für den Erwerb des Lernfahrausweises. Diese Massnahme wurde eingeführt, weil die zunehmende Motorisierung in den 1970er-Jahren zu stark steigenden Unfallzahlen führte und schnelle Erste Hilfe die Überlebenschancen drastisch verbessert.
Damals lag der Fokus noch stark auf dem Verbinden von Wunden und dem Schienen von Brüchen. Heute, Stand September 2026, hat sich das Bild komplett gewandelt. Die moderne Notfallmedizin weiss: Die ersten Minuten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand oder einem schweren Trauma sind entscheidend. Deshalb liegt der Schwerpunkt im heutigen Nothelferkurs auf dem sogenannten BLS-AED-Konzept. Es geht weniger um das perfekte Anlegen eines Pflasters, sondern um das nackte Überleben: Atemwege freimachen, Herzdruckmassage und der Einsatz von Defibrillatoren. Der Kurs dauert in der Regel 10 Stunden und kostet um die 100 Franken. Er ist sechs Jahre lang gültig. Diese Investition in Zeit und Geld rettet jährlich unzähligen Menschen auf Schweizer Strassen das Leben.
In der Schweiz bist du nach Artikel 128 des Strafgesetzbuches zur Nothilfe verpflichtet, musst aber keine rechtlichen Konsequenzen für gut gemeinte Fehler bei der Ersten Hilfe fürchten. Strafbar machst du dich nur, wenn du vorsätzlich wegschaust und Fahrerflucht begehst, obwohl dir Hilfe zumutbar gewesen wäre.
Die Angst, etwas falsch zu machen, ist der häufigste Grund, warum Menschen an einem Unfallort zögern. Viele befürchten, bei einer Herzdruckmassage eine Rippe zu brechen und dafür verklagt zu werden. Lass mich dir als Fahrlehrer diese Angst nehmen: Eine gebrochene Rippe heilt wieder, ein Herzstillstand ohne Massage endet tödlich. Die Schweizer Rechtsprechung schützt Ersthelfer. Solange du nach bestem Wissen und Gewissen handelst, bist du auf der sicheren Seite. Strafbar ist hingegen die sogenannte unterlassene Nothilfe. Wenn du an einem schweren Unfall vorbeifährst, ohne Hilfe zu leisten oder zumindest die Sanität zu rufen, drohen Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder Geldstrafen. Mehr zu den genauen gesetzlichen Regelungen zur unterlassenen Nothilfe findest du auf der offiziellen Plattform ch.ch. Deine Pflicht endet erst, wenn die professionellen Rettungskräfte eintreffen und dir sagen, dass du gehen darfst.
Ein Einsatz als Ersthelfer endet nicht, wenn die Sanität wegfährt. Das Adrenalin fällt ab, und oft kommen zittrige Hände, weiche Knie oder schlaflose Nächte. Sprich über das Erlebte mit Freunden, Familie oder deinem Fahrlehrer, um die Eindrücke mental zu verarbeiten.
Es ist völlig normal, dass dich ein schwerer Unfall noch Tage später beschäftigt. Bilder drängen sich auf, Gerüche bleiben in der Nase. Das ist keine Schwäche, sondern die normale Reaktion deines Gehirns auf ein unnormales Ereignis. Wenn du merkst, dass dich die Gedanken an den Unfallort nicht loslassen, zögere nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. In der Schweiz gibt es kantonale Care Teams, die genau für solche Situationen ausgebildet sind und auch Ersthelfern psychologische Erste Hilfe leisten. Du hast Grossartiges geleistet, indem du nicht weggeschaut hast – jetzt darfst du auch auf dich selbst achten.
Du musst anhalten, wenn du selbst in den Unfall verwickelt bist oder wenn noch niemand Hilfe leistet. Wenn bereits Polizei, Sanität oder genügend Ersthelfer vor Ort sind und die Unfallstelle abgesichert ist, fährst du zügig und ohne zu gaffen weiter, um den Verkehrsfluss nicht zu stören.
Grundsätzlich lässt du Verletzte im Auto, bis die Sanität eintrifft, um mögliche Wirbelsäulenverletzungen nicht zu verschlimmern. Eine Ausnahme gilt bei akuter Lebensgefahr, zum Beispiel wenn das Auto brennt oder der Verletzte reanimiert werden muss. Dann wendest du den Rautek-Rettungsgriff an.
Wenn du den Anblick von Blut nicht erträgst oder in Panik verfällst, übernimm andere lebenswichtige Aufgaben. Sichere die Unfallstelle mit dem Pannendreieck ab, warne den herannahenden Verkehr, setze den Notruf 144 ab oder betreue unverletzte Schockpatienten am Strassenrand. Jede Hilfe zählt.
Der Nothelferausweis ist in der Schweiz sechs Jahre lang gültig. Du musst ihn vorlegen, wenn du beim Strassenverkehrsamt deinen Lernfahrausweis für das Auto oder Motorrad beantragst. Nach Ablauf dieser Frist müsstest du ihn für einen neuen Ausweisantrag erneut absolvieren.
Wähle die 144 für die Sanität bei medizinischen Notfällen und Verletzten. Die 117 wählst du für die Polizei bei Verkehrsunfällen oder Verkehrsbehinderungen. Die 118 ist für die Feuerwehr bei Brand, auslaufenden Flüssigkeiten oder eingeklemmten Personen. Im Zweifel wählst du die 112 – den europäischen Notruf, der dich immer an die richtige Stelle weiterleitet.