Nothelferkurs Familie: Gemeinsam sicher zum Lernfahrausweis
Ein gemeinsamer Nothelferkurs Familie in St.Gallen lohnt sich: Der Nachwuchs holt das Zertifikat für den Führerausweis, Eltern frischen …
Kontakt | +41 78 841 51 81 | fahrschule@rafuna.ch
+41 78 841 51 81 | fahrschule@rafuna.ch

Eine Schnittverletzung passiert im Alltag oder Strassenverkehr schneller, als dir vielleicht lieb ist. Ob beim hastigen Wechseln einer kaputten Scheinwerferlampe, beim Wegräumen von Glassplittern nach einem Auffahrunfall oder schlicht beim Picknick in der Fahrstunden-Pause. Wenn plötzlich Blut fliesst, geraten viele Menschen sofort in Panik. Dabei sieht die Situation meist viel dramatischer aus, als sie medizinisch ist. Das Wichtigste in solchen Momenten ist ein kühler Kopf und das Wissen um die richtigen Handgriffe. Wenn du weisst, wie du Eigenschutz anwendest und eine Wunde steril abdeckst, nimmst du der Situation sofort die Aufregung. Genau diese Sicherheit vermittle ich dir in meinen Kursen, bevor du überhaupt an den Nothelfer Lernfahrausweis denkst.
Der erste und wichtigste Schritt ist immer der Eigenschutz. Bevor du irgendetwas anderes tust, ziehst du dir Einweghandschuhe an. Danach setzt oder legst du die verletzte Person hin, um Stürze bei einem möglichen Kreislaufkollaps zu verhindern. Drücke eine sterile Kompresse direkt auf die blutende Stelle und lagere den verletzten Körperteil hoch. Das verringert den Blutdruck in der Wunde sofort.
In der Praxis sehe ich oft, dass Ersthelfer aus reinem Reflex sofort mit blossen Händen auf eine Wunde drücken. Das ist menschlich verständlich, aber gefährlich. Du schützt mit den Handschuhen nicht nur dich selbst vor möglichen Infektionskrankheiten, sondern auch die verletzte Person vor den Bakterien an deinen Händen. Sobald eine Schnittverletzung stark blutet, zählt jede Sekunde, aber diese zwei Sekunden für die Handschuhe musst du dir zwingend nehmen. Wenn du die Blutung mit manuellem Druck auf die sterile Kompresse unter Kontrolle hast, kannst du in Ruhe entscheiden, ob ein Pflaster reicht oder ob du grösseres Verbandsmaterial benötigst. Beruhige die Person dabei kontinuierlich. Sprich mit ruhiger, fester Stimme. Sag ihr, dass du da bist und weisst, was zu tun ist. Dieser psychologische Beistand ist oft genauso wichtig wie der Verband selbst.
Nicht jede Wunde ist gleich, und du musst am Unfallort schnell einschätzen können, womit du es zu tun hast. Wir unterscheiden grob zwischen kapillaren, venösen und arteriellen Blutungen. Bei einem oberflächlichen Kratzer, etwa an einem scharfen Plastikteil im Auto, werden nur die kleinsten Blutgefässe, die Kapillaren, verletzt. Das Blut sickert langsam, die Wunde reinigt sich durch den leichten Blutfluss quasi von selbst. Hier reicht es völlig aus, die Wunde kurz bluten zu lassen, sie eventuell mit klarem Wasser zu spülen und ein handelsübliches Pflaster aufzukleben.
Ganz anders sieht es aus, wenn tiefere Schichten, Venen oder gar Arterien getroffen sind. Venöses Blut ist dunkelrot und fliesst stetig und gleichmässig aus der Wunde. Arterienblut hingegen ist hellrot und spritzt oft pulsierend im Takt des Herzschlags. Hier besteht akute Lebensgefahr durch Verbluten. In einem solchen Fall darfst du keine Zeit mit Pflastern verschwenden. Du musst sofort massiven Druck auf die Wunde ausüben. Leg den Patienten flach auf den Boden. Das verhindert, dass er bei einem Ohnmachtsanfall stürzt und sich weitere Verletzungen zuzieht, etwa ein Schädel-Hirn-Trauma. Halte den betroffenen Arm oder das Bein in die Höhe. Allein durch die Schwerkraft verringert sich der Blutverlust spürbar. Ruf umgehend Hilfe oder delegiere den Notruf 144 an einen Umstehenden, während du den Druck aufrechterhältst.
Immer wieder höre ich von abenteuerlichen Hausmitteln, die Menschen bei Verletzungen anwenden wollen. Mehl auf die Wunde streuen, um das Blut zu klumpen? Ein absolutes No-Go. Genauso verboten sind Wundsalben, Puder oder gar hochprozentiger Alkohol in einer frisch blutenden, tiefen Wunde. All diese Dinge verunreinigen das Gewebe, zerstören Zellen und machen dem Arzt im Spital die Arbeit extrem schwer, weil er die Wunde mühsam ausbürsten muss, bevor er sie nähen kann.
Ein weiterer klassischer Fehler: Fremdkörper entfernen. Wenn ein Glassplitter, ein Stück Metall oder ein spitzer Gegenstand in der Wunde steckt, lass ihn genau dort, wo er ist. Der Fremdkörper wirkt oft wie ein Korken, der das verletzte Blutgefäss verschliesst. Ziehst du ihn heraus, öffnest du das Gefäss und eine unkontrollierbare Blutung kann die Folge sein. Polstere den Gegenstand stattdessen vorsichtig mit Verbandsmaterial ab, fixiere ihn so gut es geht und überlass das Entfernen den Chirurgen im Spital. Auch das Auswaschen einer stark blutenden Wunde ist kontraproduktiv. Du spülst damit die körpereigenen Gerinnungsstoffe weg, die gerade versuchen, die Wunde zu verschliessen. Nur kleine, schmutzige Schürfwunden darfst du vorsichtig mit Leitungswasser reinigen.
| Wundart / Blutung | Typische Merkmale | Deine Sofortmassnahme |
|---|---|---|
| Kapillare Blutung | Blut sickert langsam, Wunde ist eher oberflächlich (Kratzer) | Kurz bluten lassen, steril abdecken (Pflaster) |
| Venöse Blutung | Dunkelrotes Blut, fliesst stetig und gleichmässig | Körperteil hochlagern, Druckverband anlegen |
| Arterielle Blutung | Hellrotes Blut, spritzt pulsierend im Herzschlag-Takt | Sofortiger manueller Druck, Notruf 144, Druckverband |
| Wunde mit Fremdkörper | Gegenstand (Glas, Metall) steckt sichtbar in der Wunde | Fremdkörper belassen, umpolstern, Arzt aufsuchen |
Wenn wir auf die Entwicklung der Ersten Hilfe zurückschauen, wird klar, wie sehr sich die Lehrmeinung gewandelt hat. Noch in den 1970er und 1980er Jahren war es durchaus üblich, Wunden rigoros auszuwaschen und grosszügig mit Jodtinkturen zu behandeln, selbst wenn sie tief waren. Man glaubte, die absolute Keimfreiheit stehe über allem. Heute, Stand 16. September 2026, wissen wir, dass aggressive Desinfektionsmittel in tiefen Wunden das empfindliche Gewebe abtöten und die Heilung massiv verzögern. Die moderne Medizin setzt auf trockene, sterile Wundauflagen.
Auch das berüchtigte «Abbinden» von Gliedmassen hat eine steile Karriere hinter sich. Früher wurde bei fast jeder stärkeren Blutung sofort ein Gürtel oder ein Seil gezückt, um den Arm oder das Bein komplett abzuschnüren. Das Resultat waren oft schwere Nervenschäden oder absterbendes Gewebe, weil die Blutzufuhr komplett gekappt wurde. Der Schweizerische Samariterbund und andere Rettungsorganisationen haben die Richtlinien über die Jahre immer weiter verfeinert und vereinfacht. Heute gilt ganz klar: Der Druckverband ist das Mittel der Wahl. Ein Abbinden wird Laien heute gar nicht mehr gelehrt, da ein korrekt angelegter Druckverband in 99 Prozent der Fälle ausreicht, um auch arterielle Blutungen zu stoppen, ohne das restliche Gewebe zu zerstören. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Erste Hilfe immer pragmatischer und sicherer geworden ist.
Der Druckverband ist dein wichtigstes Werkzeug, wenn ein Pflaster nicht mehr reicht. Du solltest das Material dafür immer griffbereit haben. Es lohnt sich, regelmässig den Verbandskasten Auto prüfen zu lassen, damit du im Ernstfall nicht mit abgelaufenen, bröseligen Pflastern dastehst. Ein Druckverband besteht aus drei einfachen Komponenten: der sterilen Wundauflage, dem Druckpolster und der Fixierbinde.
Zuerst legst du eine sterile Kompresse direkt auf die Wunde. Fasse sie nur an den Ecken an, damit die Fläche, die auf die Wunde kommt, keimfrei bleibt. Umwickle diese Kompresse zwei- bis dreimal mit einer Fixierbinde, damit sie nicht verrutscht. Nun kommt das Wichtigste: das Druckpolster. Dafür nimmst du am besten eine noch originalverpackte, ungeöffnete Verbandrolle. Lege sie exakt über die Wunde auf die bereits fixierte Kompresse. Jetzt wickelst du mit der restlichen Binde stramm über dieses Polster. Das Polster drückt nun gezielt auf die verletzten Blutgefässe und stoppt den Blutfluss. Achte darauf, dass du stramm wickelst, aber den Arm nicht komplett abschnürst. Die Finger sollten nicht blau anlaufen oder kribbeln. Sollte der Verband dennoch durchbluten, nimmst du ein zweites Druckpolster und wickelst einen weiteren Verband direkt über den ersten. Den ersten Verband niemals abnehmen, sonst reisst du die bereits gebildeten Blutgerinnsel wieder auf.
Jede tiefere Schnittverletzung gehört in ärztliche Hände. Selbst wenn du die Blutung perfekt gestoppt hast, kann unter der Haut mehr kaputt sein, als du auf den ersten Blick siehst. Sehnen, Muskeln oder Nervenstränge liegen oft dicht unter der Oberfläche, besonders an den Händen und Fingern. Wenn die verletzte Person ein Taubheitsgefühl verspürt oder einen Finger nicht mehr richtig bewegen kann, ist das ein Alarmsignal für durchtrennte Nerven oder Sehnen. Ein Arzt muss die Wunde dann fachgerecht explorieren und nähen.
Ein weiteres grosses Thema ist der Tetanus-Schutz, auch Starrkrampf genannt. Tetanus-Bakterien kommen überall vor, besonders in Erde, Strassenstaub oder an rostigen Metallteilen. Sie produzieren ein Nervengift, das lebensgefährlich ist. Werfe daher immer einen Blick in den Impfausweis. In der Schweiz wird eine Auffrischung der Tetanus-Impfung alle 10 bis 20 Jahre empfohlen, je nach Alter. Wenn du dir unsicher bist, wann die letzte Impfung war, solltest du dies unbedingt medizinisch abklären lassen. Allgemeine Gesundheitsinformationen auf ch.ch bieten hierzu gute, offizielle Richtlinien. Wenn du dein Wissen rund um solche Notfälle generell auf den neuesten Stand bringen willst, empfehle ich dir, deinen Nothelfer aufzufrischen. Es gibt dir ein enormes Gefühl der Sicherheit, wenn du im Ernstfall genau weisst, was zu tun ist, und als besonnener Ersthelfer am Unfallort agieren kannst.
Ja, bei kleinen, oberflächlichen und verschmutzten Kratzern ist Leitungswasser in der Schweiz hervorragend geeignet, um die Wunde auszuspülen. Bei tiefen, stark blutenden Wunden solltest du das Wasser jedoch weglassen, da du sonst die wichtige Blutgerinnung störst und den Blutverlust vergrösserst.
Wenn das Blut durch den ersten Druckverband dringt, darfst du diesen auf keinen Fall entfernen. Du würdest die Wunde wieder aufreissen. Lege stattdessen ein zweites Druckpolster direkt auf die durchblutende Stelle und wickle einen zweiten, noch strammeren Verband darüber.
Für deinen eigenen Schutz: Ja. Im Strassenverkehr oder bei fremden Personen weisst du nie, ob ansteckende Krankheiten vorliegen. Handschuhe schützen dich vor Infektionen und die Wunde vor den Bakterien an deinen Händen. Sie gehören in jedes Erste-Hilfe-Set.
Wenn die Wundränder weit auseinanderklaffen, die Wunde sehr tief ist, stark pocht oder an einer kosmetisch sensiblen Stelle (wie dem Gesicht) liegt, sollte ein Arzt sie begutachten. Das Nähen oder Kleben beschleunigt die Heilung und sorgt für eine unauffälligere Narbe.
Der obligatorische Nothelferkurs für den Lernfahrausweis wird in der Regel nicht von der Grundversicherung der Krankenkasse übernommen. Einige Zusatzversicherungen beteiligen sich jedoch an den Kosten für Erste-Hilfe-Kurse. Es lohnt sich, kurz bei deiner Kasse nachzufragen.